ANDRÉ BRIE    
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André Brie, 17. Oktober 2004, Rezension für das „Neue Deutschland“ zu : Jochen Buchmann „Wörterbuch deutscher Assonanzen und Alliterationen“ 

Ein völlig neues Wörterbuch

 

Wörterbücher gibt es wie Sand am Meer. Da etwas völlig Neues zu vorzulegen, dürfte fast unmöglich sein. Aber Jochen Buchmann, Germanist und Journalist, hat es geschafft. Sein „Wörterbuch deutscher Assonanzen und Alliterationen“ ordnet den deutschen Wortschatz erstmals nach seinem Klang. Ein breiter Leserkreis wird damit sicherlich nicht viel anfangen können. Doch wer zum Beispiel als Journalist, Schriftsteller oder Politiker noch Wert auf rhetorische und vor allem Klangwirkung legt, hat mit diesem Wörterbuch ein gutes, allerdings auch nicht einfaches Werkzeug zur Hand. Das berühmteste und gerade in dieser Hinsicht nicht ganz adäquat übersetzbare Beispiel für den Gleichklang von Vokalen (Assonanzen) und von Anlauten (Alliterationen) ist von Cäsar überliefert und ist als geflügeltes Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch selbst Vieler eingegangen, die des Lateinischen nicht mächtig sind: „Veni, vidi, vici.“

Das Hochdeutsche hat nicht den Klangreichtum des Alt- oder Mittelhochdeutschen oder der französischen Sprache, aber das Spiel mit dem Wortklang kann auch heute Stimmungen zum Klingen bringen: fröhliche, feierliche, finstere, Ironie ohnehin. Solcher Sorgsam im Umgang mit der Sprache ist selten geworden. Hölderlin war ein Meister darin, und Goethe diktierte seinem Eckermann: „Wäre ich noch jung und verwegen genug..., ich würde Alliterationen, Assonanzen und falsche Reime, alles gebrauchen, wie es mir käme und bequem wäre; aber ich würde auf die Hauptsache losgehen und so gute Dinge zu sagen suchen, dass jeder gereizt werden sollte, es zu lesen und auswendig zu lernen.“ (9. Februar 1831) Die deutsche Romantik fasste ihre Sehnsucht nicht zufällig in einer Alliteration zusammen: der Suche nach der blauen Blume.

Ein reicher und im Bedarf auch verfügbarer Wortschatz ist durch ein Wörterbuch nicht ersetzbar, aber Buchmann hat ein nützliches Hilfsmittel zusammengestellt. Normale oder rückläufige Wörterbücher (wie sie manche Reimeschmiede benutzen) sind dafür nicht geeignet. Das Ordnungsprinzip des Buches (nach Vokallauten der betonten Silbe für Assonanzen und Anlauten der betonten Silbe für Alliterationen) ist gewöhnungsbedürftig, erschließt sich aber, wenn man erst einmal damit gearbeitet hat. Für einen bewussteren Umgang mit dem ganzen Reichtum unserer Sprache ist dieses Wörterbuch alles andere als die fixe Idee eines Germanisten.

 

Jochen Buchmann, Wörterbuch deutscher Assonanzen und Alliterationen, NORA Verlagsgemeinschaft Dyck & Westerheide, Berlin 2003, 584 S.

 
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