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André Brie,
14. Juni 2004
Erste Auswertung der Wahlergebnisse zur Europa-
und Thüringenwahl
- Die
PDS hat prozentual den größten Wahlerfolg ihrer bisherigen
Geschichte erreicht. Dieses Wahlergebnis ist ein starkes Signal für
bundespolitische Rückkehr der Partei des Demokratischen Sozialismus.
Trotz weiter gesunkener Wahlbeteiligung hat die PDS gegenüber 1999
auch absolut rund 12.000 Stimmen dazu gewonnen. Erstmalig ist die PDS
in einem Bundesland – Brandenburg – wählerstärkste Partei
geworden, und das mit klarem Vorsprung. In vier Bundesländern – Thüringen,
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – liegt die PDS
auf Platz 2. In fünf westdeutschen Bundesländern wurden mehr als
zwei Prozent erreicht: Bremen (3,7 %), Hamburg (2,8 %, allerdings mit
einem Verlust von 0,5 Prozentpunkten), Nordrhein Westfahlen (2,1 %),
Hessen (2,1 %), und im Saarland (2,0 %).
- Europa-
und Thüringenwahl standen im Zeichen einer Abrechnung der Wählerinnen
und Wähler mit der Politik des Sozialabbaus. Die deutlichen Verluste
der CDU/CSU und die Gewinne der PDS, aber auch die niedrige
Wahlbeteiligung verweisen
darauf, dass es sich um mehr als eine Protestwahl gegen die
Regierungspolitik gehandelt hat. Offenkundig wollen mehr Menschen als
in der Vergangenheit eine echte Alternative zur neoliberalen Politik.
- Das
Wahlergebnis der PDS ist meiner Meinung nach wesentlich darauf zurückzuführen,
dass die PDS mit dem Sonderparteitag im Sommer 2003 und ihrem
Programmparteitag im Oktober eine deutliche Veränderung ihrer
Politik, Strategie und politischen Kultur vollzog und sich mit großer
Ernsthaftigkeit den realen Problemen und Hoffnungen der Menschen, vor
allem der sozial Benachteiligten, zugewandt hat statt sich in
ideologischer Selbstbeschäftigung und innerparteilichem Machtgerangel
zu zerreißen.
- In
Thüringen hat die PDS mit 26,1 % und fünf Direktmandaten ein
herausragendes Ergebnis erreicht und die Situation gegenüber ihrem
Ausgangspunkt 1990 (9,7 %) grundlegend verändert. Soziales Engagement
und soziale und politische Verankerung unter den Menschen in Thüringen
hatten sie bereits in der vergangenen Legislaturperiode zur wirklichen
Opposition im Land gemacht. Das ist von den Wählerinnen und Wählern
honoriert worden. Der starke Spitzenkandidat Bodo Ramelow, der auch
persönlich für diese Politik steht, hat dazu wesentlich beigetragen.
- Der
Erfolg darf und muss heute im Vordergrund stehen. Nichtsdestotrotz ist
auch klar, dass die Rückkehr einer PDS-Fraktion in den Deutschen
Bundestag 2006 (oder bei vorgezogenen Neuwahlen) eine große
Herausforderung bleibt. Die strategische Schärfung des politischen
Profils der PDS als realistische, konsequent demokratische
Linkspartei, als Partei der sozialen Gerechtigkeit und einer Partei für
den politischen Alltag ist dafür die entscheidende Bedingung. Die
Ausgangspositionen der PDS haben sich klar verbessert. Die zu lösenden
Aufgaben sind jedoch in jeder Hinsicht groß.
- Die
3,3 Prozent für die NPD in Sachsen sowie die lokalen Wahlergebnisse
der NPD in der Sächsischen Schweiz, der rechtsextremen Bündnisse in
Dresden und Chemnitz sind alarmierend und erfordern eine konsequente
Politik aller demokratischen Parteien gegen Fremdenfeindlichkeit,
Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus.
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