|
André
Brie, Rede auf dem Friedensparteitag der PDS am 5. April 2003 in Berlin
Liebe
Genossinnen, liebe Genossen, sehr geehrte Gäste,
es
ist erst wenige Wochen her, dass ich den Irak verlassen habe. Keine und
keiner von uns wird nicht zuerst an das Schicksal der Menschen in Bagdad,
Basra oder Kirkuk denken. Ich habe die wunderschönen dunklen Augen
irakischer Kinder in Erinnerung, Kinder, die fröhlich waren, obwohl das
zwölfjährige Embargo gerade für sie Mangelernährung und massenhaft
Krankheiten bedeutete. Das Regime im Irak ist zweifellos eine widerliche
Diktatur, doch mir darf niemand erzählen, in diesem Krieg ginge es um
Demokratie, Freiheit und Zivilisation. Der angeblich so zivilisierte
Westen hat mit diesem Embargo nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation
und der UNO-Kinderorganisation UNICEF 600.000 irakische Kinder umgebracht.
Jedes überlebende irakische Kind hat 14 Mal im Jahr Diarrhö.
Was
in diesen Tagen in Bagdad und Basra los ist, ist von hier aus nicht im
entferntesten zu ermessen. Aber es gibt nicht nur die von Geschossen und
Bomben getöteten Soldaten und Zivilisten, es gibt in diesen Wochen
Tausende irakische Kinder, die nicht von Raketen getroffen werden, aber
durch den Zusammenbruch der Trinkwasserversorgung und der restlichen
medizinischen Betreuung sterben, und über die kein Militärkommuniqué,
keine Statistik, keine Zeitung Auskunft gibt. Der neue Bombenkrieg, der
dritte nach 1991 und 1998, dauert jetzt mehr als zwei Wochen, der nicht
minder mörderische Embargokrieg schon über zwölf Jahre. Und fünf Jahre
sind SPD und Grüne in Deutschland an der Regierung, wann endlich, frage
ich, werden sie sich dazu bequemen, die Aufhebung dieses verbrecherischen
Embargos zu verlangen.
Ich
wünschte mir, dass wir auf diesem Parteitag unserer ohne Zweifel
gemeinsamen Empörung Ausdruck verleihen und vor allem, dass wir sie
politisch wirksam machen könnten. Aber es bleibt einem ja auch nicht
erspart zur Kenntnis nehmen zu müssen, wie im Vorfeld dieses Parteitages
schon wieder die Wogen hoch schlugen, ob nun nicht der Beschluss von Münster
in Frage gestellt werde beziehungsweise massiv verteidigt werden müsse.
Vorgestern wurde mir in Schwerin gesagt, ohne Münster hätten wir heute
keine Glaubwürdigkeit in der Friedenspolitik der PDS. Ich persönlich war
ein Kritiker beider damaliger Beschlussentwürfe, sowohl jenes von Dieter
Dehm als auch jenes von Sylvia-Yvonne Kaufmann. Was ich mir aber nie
einreden ließ und auch heute nicht einreden lassen werde, ist die
Behauptung, dass sich an diesen Anträgen die Konsequenz und Ehrlichkeit
der Antikriegsposition der PDS oder ihrer einzelnen Protagonisten
entschieden hätte. Die wieder hochgepeitschten Wogen sind für mich Wogen
im Wasserglas.
Erstens
sind für mich auch die Kritikerinnen und Kritiker jenes damaligen
Beschlusses glaubwürdig als konsequente Kriegsgegner. Gregor Gysi, der
sich für seine ND-Kolumne vom vergangenen Sonnabend mal wieder aller möglichen
Verdächtigungen und Angriffe ausgesetzt sieht, hat nicht in Papieren oder
parteiinternen Auseinandersetzungen, sondern in der Realität und Praxis
deutscher und internationaler Politik seinen leidenschaftlichen,
konsequenten und
intelligenten Widerstand gegen Krieg bewiesen, und zwar nicht im Glashaus
von PDS-Parteitagen, -Versammlungen oder PDS-nahen Zeitungen, sondern in
einer Öffentlichkeit, in der er, dessen Eltern gegen die Nazis gekämpft
und dessen Vater rassistisch verfolgt wurde, nicht zuletzt vom jetzigen
Friedenskämpfer und damaligen Kriegspropagandisten Joschka Fischer der
Unterstützung eines neuen Holocaust geziehen wurde. Ob jemand
konsequenter Kriegsgegner ist, entscheidet sich eben nicht in seiner
Haltung zu PDS-Papieren, wie einige Interviewer und Schreiber in der
„jungen Welt“ weismachen wollen, sondern im Herzen, im Kopf und in der
realen Politik. Und ich finde, wir sollten endlich aufhören, uns auf der
Basis von Verdächtigungen primär mit uns selbst zu beschäftigen.
Zweitens,
und damit beende ich für mich dieses Thema: Es geht nun wahrlich nicht,
um abstrakte und hypothetische Fragen. Es geht um einen blutigen und
dreckigen Krieg, es geht um Zehntausende Kinder und viele andere Menschen,
die elend umkommen und es geht um eine prinzipielle Zäsur in den
internationalen Beziehungen und in der globalen gesellschaftlichen
Entwicklung.
Wir
werden nicht daran gemessen, wie oft wir Antikriegspolitik aussprechen,
sondern wie wirksam und wie praktisch und realistisch wir zu ihr
beitragen!
Das
und nur das zählt, das und nur das möchte insbesondere auch Gregor Gysi.
Ich habe mit nicht wenigen hier im Saal, auch in Bezug auf den Beschluss
von Münster ebenso wie in Bezug auf den damaligen Parteivorstandsantrag
Differenzen. Doch diese Absicht, diese Leidenschaft, diesen Zorn, sich mit
Krieg nicht abzufinden, setze ich bei uns allen voraus.
Als
dieser Parteitag einberufen wurde, habe ich mich aber gefragt, was wir
mehr als dieses Aufbegehren und unser wiederholtes Nein ausdrücken können.
Schließlich gibt es in diesen Tagen Hunderte andere und bessere Möglichkeiten,
Antikriegsveranstaltungen außerhalb unserer eigenen Reihen zu unterstützen.
Doch inzwischen bin ich überzeugt, dass es sich lohnt, zu analysieren, zu
diskutieren und zu beschließen, welchen geistigen, politischen und
organisatorischen Beitrag die PDS zu einer nachhaltigen Bewegungen gegen
diesen Krieg, gegen Krieg überhaupt und für eine andere, eine friedliche
Welt leisten will und kann. Das eben ist für mich die entscheidende
Frage, Professor Altvater hat sie bereits aufgeworfen, es geht um
unmissverständlichen und wirksamen Widerstand gegen den Krieg, aber es
geht mit aller Konsequenz auch um eine andere Welt. Kleiner ist dieser
Kampf nicht zu haben!
Bevor
es mich reizte, mich mit dieser Thematik zu befassen, wurde ich aber von
Frau Rühle, einer grünen Abgeordneten im Europäischen Parlament sehr
konkret gereizt, und obwohl es sich nur um ein Detail zu handelt scheint,
lohnt es sich vielleicht, es in diesem Zusammenhang anzusprechen.
In
der vergangenen Woche hatten wir im EP eine Debatte und Abstimmung zum
Irak-Krieg. Die Fraktionen, der Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen
hatten eine gemeinsame Resolution vorgelegt, die jedoch keine Mehrheit
bekam, weil die Konservativen und die Vereinte Europäische Linke dagegen
stimmten. Ich muss hier wohl kaum erwähnen, dass es für unser Nein völlig
andere Motive gab als bei der sogenannten Europäischen Volkspartei, die
sich ähnlich wie Angela Merkel in einer tief gebückten Haltung vor
George W. gefällt. Noch im Plenarsaal schrieen die grünen Abgeordneten
auf uns ein. Frau Rühle schickte uns, und speziell den PDS-Abgeordneten
dann noch eine Pressemitteilung hinterher, unser Dogmatismus hätte ein
klares Nein des Parlaments zum Krieg verhindert.
Ich
kann nur jede und jeden bitten, sich die Resolution, so wie sie von den Grünen,
Sozialdemokraten und Liberalen ausgearbeitet worden war und so wie sie zur
Entscheidung vorlag, anzusehen. In der Erwägungsgründen, und das ist
schon das schärfste, wird auch auf die US-Doktrin der Präventivschläge
verwiesen. Verwiesen, nicht zurückgewiesen! In der ganzen Resolution kein
Wort, dass es sich bei diesem Krieg um eine Aggression, um Bruch des Völkerrechts
und der UN-Charta handelt, kein Wort der Verurteilung des US-geführten
Angriffskrieges, keine Forderungen, den Krieg zu beenden! Während der
US-Verteidigungsminister öffentlich die Ausrüstung seiner Truppen mit
CS-Gas befiehlt und ankündigt, die USA würden es in diesem Krieg
gegebenenfalls auch unter Bruch des Genfer Protokolls von 1928 und der
Chemie-Waffen-Konvention einsetzen, verlieren die Konsensfraktionen im EP
dazu kein Wort, sondern fordern lediglich den Irak auf, keine chemischen
Waffen anzuwenden. Eine politisch und geistig erbärmlichere Resolution
zum Krieg der USA (von „gegen den Krieg“ kann man wahrlich nicht
sprechen) wird man weltweit in diesen Tagen wohl vergeblich suchen. Frau Rühles
Pressemitteilung habe ich unter diesen Umständen zwar als schäbig
empfunden, aber wahrscheinlich kann man das schlechte Gewissen über die
eigene, so vollständige Prinzipienlosigkeit nicht anders als durch öffentliches
Lärmen zum Schweigen bringen.
Natürlich
bin ich froh, dass die rotgrüne Bundesregierung den Krieg der USA
ablehnt. Auch wenn sie inkonsequent ist und mit ihrer aktiven Beteiligung
am völkerrechtswidrigen Angriff auf Jugoslawien maßgeblich dazu
beigetragen hat, die Dämme gegen den aggressiven Unilateralismus der USA
zu unterspülen, geht es heute um zu viel, als dass man nicht auch diese
Stimme gegen den Krieg brauchte und begrüßen sollte. Das gilt umso mehr,
als wir in Deutschland, in der Friedensbewegung und in der PDS jeden Grund
haben, den Kurs der CDU-Vorsitzenden nicht nur als peinliche Anbiederung
zu verstehen, sondern als einen ebenso grundsätzlichen wie gefährlichen
Versuch, die deutsche und europäische Politik ins militaristische
Fahrwasser der gegenwärtigen US-Administration zu manövrieren - mit
allen negativen Folgen auch für die Möglichkeiten, Perspektiven und
Inhalte der europäischen Integration, wie man es sich an der
Europapolitik Großbritanniens ansehen mag.
Die
Differenz der Bundesregierung dazu ist bedeutsam. Aber mich empört und
enttäuscht die Haltung der Grünen und der Sozialdemokraten im Europäischen
Parlament und die Inkonsequenz von Rot-Grün auch hierzulande, weil es in
diesem Krieg erstens um einen elementaren und absolut eindeutigen
Rechtsbruch und um einen aggressiven und unmenschlichen Angriffskrieg
geht. Das nicht auszusprechen, weil man die Konsequenzen, die das deutsche
Grundgesetz fordert, und die notwendige Auseinandersetzung mit den USA fürchtet,
ist nicht akzeptabel.
Wer
die Politik der USA heute nicht unmissverständlich als Bruch des Völkerrechts
charakterisiert, wird morgen kaum noch Möglichkeiten haben, die
UNO-Charta und die UNO gegen ihre endgültige Zerstörung zu verteidigen.
Auch
die PDS wird allerdings in nächster Zeit einmal die Frage beantworten müssen,
ob die Verteidigung der UNO und ihrer Charta, und zwar zunächst so wie
sie ist, nicht so wie man sie sich erträumt, gegenwärtig eine
strategische Aufgabe auch für die Linke ist. Ich persönlich habe in den
vergangenen Monaten Dutzende Male dazu geschrieben und gesprochen, ich
will das hier nicht wiederholen, aber ich bin fest überzeugt, dass nach
dem öffentlichen Widerstand und der Veränderung des geistigen Klimas auf
diesem Erdball gegen Krieg und imperialen Militarismus eine starke UNO die
aktuellste und dringendste internationalen Bedingung für die Zurückdrängung
der Politik der US-Administration, für Frieden, nachhaltige Entwicklung
und globale Zivilisation ist. Ich muss in diesen Tagen oft mit mir selbst
ringen, nicht entmutigt und hoffnungslos zu sein. Daher war und ist es für
mich besonders bedeutsam zu wissen, dass die Massendemonstrationen vom 15.
Februar zwar nicht Bush und Blair stoppen konnten, aber maßgeblich dazu
beigetragen haben, dass die USA und Großbritannien kein Mandat des
Sicherheitsrates für ihre Aggression bekommen und dass die UNO und ihre
Charta noch eine Chance haben.
Zweitens,
und darüber sollten wir im besonderen nachdenken, streiten und zu
politischen Schlussfolgerungen für uns und für die Gesellschaft kommen,
handelt es sich bei diesem Krieg meiner Meinung nach um einen
wahrscheinlich epochalen Wendepunkt.
Die
Politik der Bush-Administration ist nach meiner Überzeugung die
aggressive, die militaristische und die auf imperiale Vorherrschaft der
USA gerichtete Antwort auf die Konsequenzen, die Instabilitäten und
Gefahren der neoliberalen Globalisierung. Fausto Bertinotti, Sekretär der
Partito della rifondazione comunista in Italien, hat das in seinen 15
Thesen für eine alternative europäische Linke auf dem Europäischen
Sozialforum im November 2002 auf den Punkt gebracht: „Die Bush-Doktrin
ist die schlüssige und schreckliche Absichtserklärung für den endlosen,
unbestimmten Krieg, die US-Administration das zentrale Kettenglied der
neuen imperialen Ordnung. Sogar ein Krieg zum Schutze der Zivilisation
muss als Maske herhalten, hinter der sich die zutiefst rückschrittliche
kapitalistische Globalisierung nach allen Seiten hin ausbreitet.“
Ich
verstehe diese These dahin, und eben das möchte ich auch als meine Einschätzung
hervorheben, dass es selbstverständlich keinen Grund geben kann, die
Aggressivität und militärische Bedrohlichkeit der US-amerikanischen Außenpolitik
zu unterschätzen, das ist in diesen Tagen wohl auch geradezu unmöglich,
aber sie muss darüber hinaus verstanden werden als Ausdruck für eine
prinzipiellere Zäsur in der kapitalistischen Gesellschafts- und
Politikentwicklung. Das ist, wenn man so will, die endgültige
Kapitalisierung der Erde, der Natur und der Kultur, das ist die Expansion
des Kapitalismus in jeden Winkel der Gesellschaft und des Erdballs, die
der Kapitalverwertung und Kommerzialisierung bisher noch nicht unterworfen
waren. Die dabei stattfindenden, oft mit brachialer Gewalt durchgesetzten
Veränderungen haben ein revolutionären Ausmaß.
Die
faktische Konsequenz ist ein Angriff auf die natürlichen, kulturellen,
sozialen und demokratischen Lebensbedingungen auf dem Erdball überhaupt.
Ich behaupte nicht, dass das per se bewusste Strategie ist, aber es ist
offensichtlich das Ergebnis neoliberaler Globalisierung, mit ungeheuren
sozialen, ökologischen und kulturellen Zerstörungen, Konflikten,
Kriegen, neuen Militarisierungen von Denken, Politiken, Gesellschaften,
neuen und zusätzlichen Impulsen für die Verbreitung von Diktaturen und
Massenvernichtungswaffen, mit dramatischen Kämpfen um Wasser,
Nahrungsmittel, andere Ressourcen. Ich möchte in diesem Zusammenhang uns
allen die nachdenkliche, differenzierte und doch so wunderbar klare Rede
von Arundhati Roy auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre ans Herz und,
wenn so will, an den Verstand legen. Sie sollte man, wie Vieles von ihr,
ganz lesen werden; deshalb werde ich sie nur zum Schluss einmal zitieren.
Vielleicht
kann und muss die PDS einen originären politischen und geistigen Beitrag
zur heutigen Antikriegs- und Friedensbewegung, indem sie gerade auch diese
Fragen und ihre Konsequenzen aufwirft. Vielleicht kann und muss die PDS
sich auch gegenüber den Sozialdemokraten und Grünen einerseits durch
entschiedene Konsequenz, andererseits vor allem dadurch in der
Antikriegspolitik profilieren, dass sie diese gesellschaftspolitische,
diese existenzielle und epochale, aber zugleich auch absolut aktuelle,
dringliche, realistische Dimension des Irak-Krieges und seiner Folgen
anspricht. Ich sehe bisher keine Partei und kaum eine andere Organisation,
die das tut oder die Intellektuellen und anderen Persönlichkeiten eine
Plattform bietet, über diese folgenschwere Möglichkeit und ihre
politischen Konsequenzen zu reden oder gar sie zum Gegenstand eigener
realistischer Politik macht.
Eins,
wenn diese These stimmte, wäre nämlich vielleicht auch eine unerhörte
und längst nicht zu Ende gedachte Konsequenz für die PDS: Gegen diesen
Kurs der USA, wenn er tatsächlich dieses Wesen hätte, wird die PDS
allein nichts ausrichten, wird sie ohnehin mit völlig anders denkenden,
politisch substanziell anders orientierten Kräften zusammenarbeiten müssen.
Doch das reichte längst nicht aus. Dagegen, nicht antiamerikanisch,
sondern für eine multilaterale, kooperative, nichtmilitaristische und
nachhaltige Weltpolitik muss ein geschichtlich nicht einmal in Beispielen
gedachtes, geschweige denn jemals versuchtes, äußerst heterogenes
globales Zusammenwirken von Millionen Menschen auf den Straßen, von
unterschiedlichsten Organisationen und Parteien, von Parlamentariern,
Regierungen und Staaten entstehen. Hier muss meiner Meinung nach auch der
Platz für ein auch außenpolitisch handlungsfähiges EU-Europa sein.
Liebe
Genossinnen und Genossen,
Bushs
Präsidentschaftswahlkampf ist maßgeblich von einer wirtschaftlich und
ideologisch einflussreichen Organisation vorbereitet worden, die sich
„Amerikanisches Jahrhundert“ nennt. Aber es wird nicht das
amerikanische Jahrhundert werden. Die USA können wohl jeden Krieg
gewinnen, Frieden, Sicherheit, Zukunft gewinnen sie nicht. Auch nicht für
sich selbst. Der Widerstand gegen diesen Krieg und unsere noch zu
erprobende und vor allem zu organisierende, zu organisierende!
Fähigkeit, diesen Widerstand fortzusetzen, die offensichtlich
bereits geplanten Kriege gegen Syrien, den Iran oder Nordkorea zu
verhindern, und eine andere, eine friedliche Politik durchzusetzen, sind
daher auch ein ganz grundsätzlicher Beitrag zur Verteidigung der
Zivilisation und des großen Beitrages den die Rechts- und
Menschenrechtstradition der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und
Verfassung zu ihr geleistet hat.
Liebe
Genossinnen und Genossen,
aktuell
kann und muss es meiner Meinung nach Widerstand geben, so laut, so
vielstimmig, so jugendlich und so alt, so eindeutig und wirksam wie nur
irgend möglich.
Wir
fordern die sofortige Einstellung des Krieges durch die USA und Großbritannien,
wir
fordern eine Erklärung der Bundesregierung, dass es sich bei diesem Krieg
um einen Angriffskrieg und den Bruch des Völkerrechts handelt, wir
fordern die Schlussfolgerungen daraus ein – die Suspendierung der militärischen
Überflugrechte, den Abzug der Bundeswehrsoldaten aus den AWACS-Flugzeugen
in der Türkei und der ABC-Spürpanzer aus Kuwait, wir
fordern die Beendigung der Sanktionen gegen das irakische Volk und eine
aktive Haltung der Bundesregierung in dieser Frage, wir fordern die Kündigung
der deutschen Unterstützung für die offensive Militärstrategie der
NATO, insbesondere ihrer nuklearen und präventiven
Erstschlagorientierung.
Ich
persönlich wünschte mir, dass wir noch eins tun,
dass
wir dem fundamentalistischen Freund-Feind-Denken der Bush-Administration
kein Feind-Freund-Denken, sondern Nachdenklichkeit und den Pluralismus von
Kultur entgegensetzen würden,
dass
wir auf das Sendungsbewusstsein der Bush-Ideologen nicht mit der elitären
Gewissheit reagierten, die besten und die einzig konsequenten Friedenskämpfer
zu sein, sondern bereit und real fähig wären, ebenso selbstbewusst wie
achtungsvoll mit unterschiedlichsten anderen Gruppen und Menschen
zusammenzuarbeiten,
dass
wir auf den aggressiven Militarismus der US-Administration nicht mit
Verbalradikalismus antworteten, sondern mit der Verteidigung des großen
zivilisatorischen Beitrags der USA gegen seine Zerstörung durch Bush,
Wolfowitz, Rumsfeld und das hinter ihnen stehende ideologische, politische
und wirtschaftliche Machtkartell.
Das
alles, und ich wiederhole, vor allem die vielstimmige Stärke und unüberhörbare
Wirksamkeit des Widerstandes von Millionen kann uns gemeinsam fähig
machen, Arundhati Roys Zuversicht zu teilen, und es mit ihr zu hören:
„Eine
andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist auf ihrem Weg. An einem
stillen Tag kann ich sie atmen hören.“
|
|