| Zur
Vorstellung des PDS-Programmentwurfs erklärt André Brie, Mitglied der
Redaktionskommission:
PDS
zieht die Konsequenzen aus der Erneuerung sozialistischer
Programmatik
1989/90
hat die PDS einen prinzipiellen Bruch mit der Programmatik, den
Sozialismus- und Politikvorstellungen der SED vollzogen. Mit dem bis heute
gültigen Programm von Anfang 1993 hat sie die programmatische Abkehr von
undemokratischen, elitären und dogmatischen Sozialismuskonzepten
unumkehrbar gemacht. Der nun vorgelegte Entwurf und der Programmparteitag
im Herbst werden diesen Wandel zu seinen programmatischen Konsequenzen führen,
auch wenn politisch und kulturell sicherlich noch weitreichendere Veränderungen
notwendig sind. Programmatik und vor allem der programmatische
Meinungsstreit können dazu jedoch einen wesentlichen Beitrag leisten und
zugleich beitragen, die PDS aus ihrer Krise nach dem Scheitern bei der
Bundestagswahl 2002 zu führen.
Das
gilt nach meiner Überzeugung um so mehr, als die PDS mit diesem Entwurf
erstens ihren Charakter als moderne, demokratische sozialistische Partei
in Deutschland und in der Europäischen Union klärt. Der Entwurf verknüpft
durchgängig die Gleichheits- und Freiheitsideale der sozialistischen
Bewegung. Er überwindet aber nicht nur diese traditionelle linke Kluft
und die Fehler der Vergangenheit, sondern ist eine zukunftsorientierte
Antwort auf die radikalen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umwälzungen
der heutigen Gesellschaft.
Zweitens:
Der Entwurf ist darauf gerichtet, eine konsequent realistische und gegenwärtige
Politik der PDS einzufordern, Politik für das Hier und Heute zu
entwickeln, als Politik aus den Erfahrungen, Hoffnungen und Interessen der
Menschen, mit denen gemeinsam sie die Politik verändern will. Eingang
fanden die Ergebnisse intensiver geistiger und politischer
Auseinandersetzungen in der PDS, vor allem die umfangreichen praktischen
Erfahrungen kommunaler Arbeit, des Engagements in den unterschiedlichsten
Bewegungen und Vereinen, der Präsenz in Parlamenten aller Ebenen und
ersten Regierungsbeteiligungen, aber auch des Scheiterns bei der
Bundestagswahl 2002 in der Lage.
Drittens:
Dieser Entwurf definiert die PDS nicht gegen die Sozialdemokratie, ebenso
nicht in ihrem Gefolge. Sein Vorzug und Anliegen ist es, die PDS als ein
eigenständiges politisches Projekt zu definieren, als eine dringend
notwendige moderne, demokratische sozialistische Partei in Deutschland und
in der Europäischen Union.
Dieser
Entwurf ist das Angebot einer selbstbewussten kapitalismuskritischen und
sozialistischen Partei.
Dieser
Entwurf ist das Angebot zur geistigen und politischen Auseinandersetzung
um die Notwendigkeit und Möglichkeit einer anderen Welt, einer anderen
Europäischen Union und eines anderen Deutschlands. Er ist ein Angebot für
eine Alternative in einer Gesellschaft, in der die anderen Parteien und ein Großteil der sogenannten
Eliten sich in den Nuancen eines neoliberalen und pragmatischen
Einheitsbreis eingerichtet haben.
Dieser
Entwurf beharrt darauf, dass die Vergesellschaftung von Macht und Eigentum
die zentralen Fragen sozialistischer Politik und Alternativen sind, dass
sie von höchster Aktualität, von größter, wenn man so will, überlebenswichtiger
Bedeutung sind. Auch das ist ein Moment, in dem wir weit über das
bisherige Programm hinausgehen.
Dieser
Entwurf ist das Angebot, um ein provokatives Wort provokativ aufzugreifen,
Sozialismus als Tagesaufgabe zu begreifen.
Berlin,
25. Februar 2003
|