ANDRÉ BRIE    
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Dr. André Brie, 30.03.2005

André Brie hält eine für die WASG offene Liste der PDS zur Bundestagswahl für notwendig und möglich - Früherer Wahlkampfchef: Es gibt in Deutschland keinen Platz für zwei linke Parteien, die beide die 5-Prozent-Hürde überwinden könnten

 

Demokratische Sozialisten und Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG) sollten mit einer offenen Liste der PDS zur Bundestagswahl 2006 antreten. Diese Meinung vertrat der frühere PDS-Wahlkampfleiter André Brie in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Sozialismus“. Die Liste müsse sich „durch ihre strategische Dimension, durch die verlässliche Gleichberechtigung der Partnerinnen und Partner sowie durch die nachhaltige Ehrlichkeit der Öffnung füreinander“ substanziell von früheren derartigen Versuchen unterscheiden und könnte „mittelfristig Kristallisationspunkt oder Katalysator für eine über PDS und WASG hinausgehende linke Bewegung in Deutschland werden“.  

Brie räumte ein, dass sein Vorschlag zwar „eine eigentlich unakzeptable Zumutung“ für beide Parteien, jedoch eine Notwendigkeit sei. Es gehe darum, die Erfordernisse und Möglichkeiten demokratischer linker, sozialer Politik vor parteipolitische Befindlichkeiten zu stellen und insbesondere die Interessen der sozial Benachteiligten zu vertreten. 

Nach knapp anderthalb Jahrzehnten sei von der einstigen Bonner Republik – „dem 'rheinischen Kapitalismus' und der militärischen Zurückhaltung“ – nicht mehr viel übrig, so Brie. „Wurde zunächst vor allem die politische und wirtschaftliche Sturzgeburt der Kohl’schen Vereinigungspolitik als ein geschichtlich beispielloses Bereichungsprogramm genutzt (...), so wurden in der Folgezeit und mit einer stetigen Beschleunigung, die unter Rot-Grün seit 1998 alles andere als gebrochen ist, der neoliberale Umbau des Gemeinwesens und die Umverteilung von Unten nach Oben zum politischen Alltag.“ Parallel dazu seien die gesellschaftlichen und politischen Gegenkräfte sowie die demokratischen und politischen Beschränkungen für die Entfesselung der großen Kapitale dramatisch geschwächt worden. „Der unter Helmut Kohl begonnene Sozialabbau ist unter Rot-Grün in die Zerstörung des Sozialstaats gemündet.“ 

Brie schlussfolgert: "Die in den letzten zwei Jahrzehnten durchgesetzten radikalen politischen, sozialen, gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland verlangen erstens nach einer politisch wirkungsvollen linken Alternative zum Mainstream (auch nach einer starken parlamentarischen Präsenz im Bundestag), zweitens nach einer Alternative, die fähig ist (und für die Menschen fähig scheint), die Verteidigung des Sozialstaats mit den wirtschaftlichen, demografischen und kulturellen Zukunftsfragen und drittens mit einer bis in die Sprache hinein erneuerten, zeitgemäßen, ebenso entschiedenen wie realistischen Kapitalismuskritik zu verbinden." Dies finde jedoch gegenwärtig in politikrelevanter Weise weder in der PDS noch in der WASG statt, „schon gar nicht in einer Form, die Millionen Menschen in ihren aktuellen Interessen und Erfahrungen anspricht“. 

Wie andere Parteien setzten PDS und WASG vor allem auf die „Sonntagsfrage“. Obgleich deren Aussagewert begrenzt sei, sind die Ergebnisse nach Auffassung des Autors eindeutig: „Es gibt in Deutschland keinen Platz für zwei linke Parteien, die beide die 5-Prozent-Hürde bei Bundestagswahlen überwinden könnten.“ Die PDS habe aufgrund ihrer ostdeutschen Stärke, der relativ stabilen Wählerbindung, ihrer bescheidenen, aber realen Fortschritte in Westdeutschland, ihrer personellen, organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten und ihrer Wahlkampferfahrungen deutliche Chancen, über die 5-Prozent-Hürde zu kommen. Anders sehe es bei der Wahlalternative aus: „Mich hat bisher noch nichts davon überzeugt, dass die WASG realistische Aussichten hat, auch nur in die Nähe der 5 Prozent zu kommen.“ 

Beide Parteien hätten „bei allen Unterschieden“ jedoch zahlreiche Gemeinsamkeiten und würden unterschiedliche, durch die jeweils andere Partei nicht ersetzbare Vorteile für die Formierung einer linken politischen Alternative in Deutschland einbringen, betonte Brie. „Es muss 2006 eine wirkungsvolle linke, soziale Alternative im Bundestag geben. Insbesondere angesichts der Betroffenen von Hartz IV und der gesellschaftlichen Folgen dieser Politik gibt es kein Recht auf den Misserfolg der Linken mehr!“ 

 
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