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André
Brie am 15. Juni 2002:
Diskussionsbeitrag
auf der Mitgliederversammlung der PDS Kreis Parchim
Liebe
Genossinnen und Genossen,
bis
zur Bundestags- und Landtagswahl sind es keine hundert Tage mehr. Es ist
meine Überzeugung, dass man sich Wahlerfolge vor allem im Alltag
verdient. Eine Partei für den Alltag, nicht nur für Wahltage, so ein
alter Slogan der PDS, braucht Wahlen nicht zu fürchten. Und ich glaube,
dass die PDS sowohl als Bundespartei als auch in Mecklenburg-Vorpommern
und hier im Kreis Parchim in den letzten Jahren eine Arbeit geleistet hat,
die von vielen Menschen positiv bewertet werden kann. Wenn ich sage, die
PDS habe eine insgesamt gute Arbeit geleistet, so heißt das zuerst und
insbesondere, dass Tausende Mitglieder und Sympathisantinnen und
Sympathisanten dieser Partei in ihrem eigenen Umfeld überzeugt haben, mit
ihren Argumenten, ihrem sozialen und demokratischen Engagement, persönlicher
Bescheidenheit, Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit.
Die
Partei des Demokratischen Sozialismus hat sich beharrlich dem ziemlich
geistlosen politischen Zeitgeist in der Bundesrepublik. Das war und ist
alles andere als selbstverständlich und einfach schon gar nicht, denn es
ist der marktradikale Zeitgeist, der die Politik der gesamten westlichen
Welt bestimmt. Privatisierung, Deregulierung und umfassende
Liberalisierung der Wirtschaft werden als die Allheilmittel für die Lösung
der gesellschaftlichen Probleme, für wirtschaftliches Wachstum,
Verminderung der Arbeitslosigkeit oder auch die Überwindung der ökologischen
Weltkrise und die entsetzliche Armut im Süden der Erde propagiert. Der
gesellschaftliche Reichtum wird unter Sozialdemokraten und Grünen ebenso
wie unter Konservativen und Liberalen von unten nach oben, von den
Arbeitenden, Arbeitslosen sowie den kleinen und mittleren Unternehmen zu
den Großkonzernen und Großbanken, von der Realwirtschaft zu den
spekulativen internationalen Devisen- und Aktientransaktionen und vom Süden
nach dem Norden der Erde umverteilt. Und wer, wie die PDS, eine gerechtere
Verteilung dieses Reichtums, gar eine Umverteilung von oben nach unten
fordert, wird als anachronistisch hingestellt, als Anhänger veralteter,
unmoderner, gescheiterter Konzepte. Nur wenn es der Wirtschaft, und
gemeint sind die großen nationalen und transnationalen Konzerne und
Banken, gut gehe, könne es auch der Gesellschaft gut gehen. Das klingt
primitiv, aber intelligenter ist die neoliberale Ideologie eben nicht.
Dass die PDS dem konkrete Konzepte entgegengestellt hat und politischen
Widerspruch, bestätigt ihre Existenzberechtigung und Zukunftsfähigkeit.
es verwundert mich umso mehr, wenn die Existenz solcher Konzepte
ausgerechnet aus dem Karl-Liebknecht-Haus (Horst Dietzel) bestritten, während
die noch viel wichtigere Frage nach der politischen und öffentlichen
Wirksamkeit unserer Konzepte ignoriert wird. Um gar nicht drum herum zu
reden: Auf diesem Gebiet, nicht primär in klugen Papieren und Konzepten,
liegen unsere hauptsächlichen und vor allem im Wahlkampf überaus
problematischen Defizite.
Nach
den Bundestagswahlen 1998 gab es in 13 EU-Staaten sozialdemokratische
Regierungen bzw. Regierungen mit sozialdemokratischer Beteiligung. Doch
keine vier Jahre später wird eine nach der anderen abgewählt: in
Spanien, in Österreich, in Italien, in Portugal, in Dänemark, in
Frankreich, in den Niederlanden. In vielen Fällen haben zugleich
rechtsextreme, fremdenfeindliche und rechtspopulistische Parteien
bedrohlich großen Einfluss gewonnen.
Auch
SPD und Grüne in Deutschland können kaum damit rechnen, ihre Koalition
nach dem 22. September fortsetzen zu können. Die Gründe sind sicherlich
vielschichtig und in den einzelnen Ländern auch nicht identisch, aber
einer ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass die europäische
Sozialdemokratie die Hoffnungen vieler Menschen auf eine Beendigung des
seit einem Vierteljahrhundert dominierenden Neoliberalismus mit seiner
sozialen Egozentrik und Ungerechtigkeit, seinem Angriff auf die
sozialstaatlichen und demokratischen Errungenschaften der Vergangenheit
nicht erfüllt hat. Es gab kein überzeugendes alternatives Projekt.
Einzelne Reformen und einzelne positive Schritte, die ich durchaus schätze,
können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sozialdemokratie sich
gegenwärtig damit begnügt, die Fortsetzung wirtschaftsliberaler,
unternehmensorientierter Politik mit bestimmten sozialen Milderungen
abzufedern.
Im
Gegenteil: In Deutschland beispielsweise haben „Rot-Grün“ im Bund
eine Steuerreform zugunsten der Großkonzerne und Banken sowie der größten
Vermögen durchgeführt und ihr Wahlversprechen, die Vermögenssteuer
wieder einzuführen gebrochen. Sie haben einen grundsätzlichen Einstieg
in die Privatisierung der Altersvorsorge eingeleitet, die
Massenarbeitslosigkeit nicht wirksam bekämpft und die Misere in der
Bildungs- und Hochschulpolitik eher noch verschärft. Wenn Bundeskanzler
Schröder in dieser Woche vor dem Bundestag festgestellt hat, dass in
keinem europäischen Land die soziale Herkunft so sehr über den Zugang zu
Bildung entscheidet wie in Deutschland, so ist die PDS, die einzige
Partei, der man so etwas nicht sagen muss, denn genau darauf weisen wir
seit Jahren hin, genau das wollen wir ändern! Schröder hätte aber allen
Grund gehabt, die Bildungspolitik sozialdemokratischer Landesregierungen
zu kritisieren, die der CDU- und CSU-geführten ebenso, die diese
Situation maßgeblich verursacht und betrieben hat. Eben das ist ja auch
der Grund, warum wir in Mecklenburg-Vorpommern im Koalitionsvertrag mit
der SPD Alternativen vereinbart hatten, die die SPD unter Bruch des
Vertrages verhindert hat. Wir sind doch nicht gegen Begabtenförderung,
wir sind doch nicht gegen attraktive Gymnasien. Aber wir sind gegen
soziale Selektierung, gegen Nachteile für Kinder, die sich aus sozialer
Herkunft ergeben, und wir sind auch dagegen, dass ein Teil der Kinder und
Jugendlichen bildungspolitisch ausgegrenzt wird, der andere in Glashäusern
und Scheinwelten aufwächst. Besonders Begabte, die von sozial
benachteiligten oder weniger lernstarken Schülern von früher Kindheit an
ferngehalten werden, werden kaum die notwendige soziale Kompetenz
erwerben, die für ihr gesellschaftliches Leben und den gesellschaftlichen
Zusammenhalt erforderlich sind.
Es
bleibt tragisch, dass die SPD in Mecklenburg-Vorpommern sich von solchen
Grundsätzen verabschiedet hat, die ja nicht nur Vertragsgegenstand waren,
sondern ursprünglich einmal auch Bestandteil bester sozialdemokratischer
Bildungspolitik gewesen waren. Dass die PDS dieses Landes in dieser Frage
aber so gar nicht fähig war, ihre Position öffentlich zu vermitteln,
nicht einmal den eigenen Mitgliedern, und die Einhaltung des
Koalitionsvertrages durchzusetzen, ist unser Fehler. Wenn uns nunmehr
durch Schröder bestätigt wird, welch zentrale soziale Frage die
Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen beim Zugang zu Bildung –
dieser vielleicht wichtigsten sozialen Ressource des 21. Jahrhunderts –
ist, dann wird dieses Unvermögen der Landes-PDS besonders schmerzlich.
Ich
habe dieses Beispiel angeführt, weil ich eine gewisse Kluft sehe zwischen
der Arbeit und den Leistungen der PDS in Mecklenburg-Vorpommern einerseits
und dem Bild, dass in der Öffentlichkeit über vier Jahre
PDS-Regierungsbeteiligung besteht, andererseits. Sicherlich haben die
Medien auch nicht gerade darauf gewartet, Positives über die PDS zu
verbreiten, aber ich würde doch eher dazu raten, die Ursachen und Fehler
bei uns zu suchen. Das umso mehr, als eine andere, eine bessere, eine
anschaulichere, eine aktivere und offensivere Öffentlichkeitsarbeit auch
über die Effektivität unseres Wahlkampfes entscheiden werden.
Ich
will das eingangs Gesagte nicht zurücknehmen. Ich wiederhole: Wahlerfolge
verdient man sich mit der alltäglichen politischen Arbeit. Populistische
Show und attraktives Spektakel können kurzfristig frustrierte Wählerinnen
und Wähler ansprechen, sie langfristig binden, können sie nicht. Es gibt
aber 2002 zwei besondere Probleme für die PDS, die uns zwingen, dem
Wahlkampf einen noch wesentlich größeren Stellenwert einzuräumen.
Erstens
ist die politische Stimmung unter den Wählerinnen und Wählern äußerst
instabil. Die Bereitschaft zu wechseln ist wesentlich größer als in der
Vergangenheit. Zweitens bedeutet Wählerpotenzial nicht Wahlergebnis. Die
Wählerinnen und Wähler, die wir uns hoffentlich oder tatsächlich in den
vergangenen 12 Jahren „verdient“ haben, müssen auch motiviert und
mobilisiert werden, am 22. September überhaupt zur Wahl zu gehen. Es muss
nicht gesagt werden, dass es uns gar nichts nützt, und der Fortsetzung
und Verstärkung sozial gerechter Politik auch nichts, wenn die PDS unter
den Nichtwählerinnen und Nichtwählern ein Potenzial von 25 oder 30
Prozent erreichte. Aber es muss wohl doch laut gesagt werden: In
Sachsen-Anhalt und in Rostock und in Schwerin hat die PDS unlängst ihre Wählerinnen
und Wähler bei weitem nicht ausreichend mobilisieren können!
Wer
so etwas ausspricht, wird neuerdings wieder der Fehlerdiskussion geziehen.
Es ist für mich deprimierend, wenn derartige Vorwürfe, wie sie zuletzt
im September 1989 vom Politbüromitglied Horst Dohlus verkündet worden
waren, in der PDS wieder auftauchen. Klipp und klar: Hätten wir hier in
Mecklenburg-Vorpommern (und im Bundesvorstand) nach den Verlusten bei den
Kommunalwahlen 1999 eine gründliche und selbstkritische Fehleranalyse
vorgenommen, wären uns manche Enttäuschungen später erspart geblieben.
Wer nach Sachsen-Anhalt, Rostock und Schwerin nicht begriffen hat, was die
Stunde geschlagen hat, wie sehr wir es nötig haben, unsere Politik und Öffentlichkeitsarbeit
kritisch zu analysieren, das Ruder herumzureißen, der wird der
Verantwortung dieses Wahlkampfes für die PDS nicht gerecht, vor allem
aber nicht der Verantwortung, die Sozialistinnen und Sozialisten für die
dringend notwendige Veränderung der Politik in Deutschland und in der
Europäischen Union haben.
Wir
haben gute Chancen. Aber erstens sind es Chancen und nicht Prozente.
Zweitens sind Chancen erst dann etwas wert, wenn sie genutzt werden. Und
sie zu nutzen, bedeutet energischste, klügste, gut organisierte
gemeinsame Arbeit!
Am
gleichen Wochenende, als in Halle die Wahlkonferenz der PDS stattfand und
uns auf diese gemeinsame Anstrengung einschwor, vermeldete der SPIEGEL in
einem ausführlichen und sehr konkreten Artikel intensive
Auseinandersetzungen im Karl-Liebknecht-Haus, insbesondere „den
Widerstand der PDS-Spitze“ gegen den angeblich fundamentalistischen Kurs
von Gabi Zimmer.
Ich
habe dazu zweierlei zu sagen: Erstens
mag ich es nicht akzeptieren, dass wir zum Wahlkampf aufgerufen werden, während
einige von unserer Vorstandsmitglieder und Parteivorstandsmitarbeiter
stattdessen einen lächerlichen Machtkampf führen. Ich habe nichts gegen
politische Auseinandersetzungen in der PDS, aber sie müssen inhaltlich
und natürlich transparent sein. Persönliche Querelen haben damit und mit
erfolgreichem Wahlkampf nichts zu tun! Ganz im Gegenteil!
Zweitens
sehe ich
den behaupteten Fundamentalismus bei Gabi Zimmer ganz und gar nicht. Sie
hat sich – anders als viele ihrer offensichtlichen Konkurrenten – für
einen differenzierten und konsequent demokratischen Programmentwurf
eingesetzt. Sie hat sich vielfach für politischen Realismus in der PDS
engagiert. Sie verficht das strategische Projekt eines Mitte-Links-Blocks
in Deutschland. Dass sie dies nicht prinzipienlos, nicht inhaltslos macht,
bedeutet keinen Fundamentalismus, sondern ist unerlässlich für Strategie
und Platz der PDS in der Bundesrepublik. Unser Ziel kann es nicht sein,
Mehrheitsbeschaffer für Schröder oder für Ringsdorf zu sein. Wir wollen
Mehrheitsbeschaffer einer neuen Politik sein.
Wir
haben die Pflicht zu politischen Mehrheiten in Deutschland beizutragen,
die Krieg als Mittel der Politik ablehnen.
Wir
haben die Pflicht , zu politischen Mehrheiten in Deutschland und Europa
beizutragen, die der Kälte und dem Privatisierungsradikalismus die
Erneuerung von sozialem Zusammenhalt, gesellschaftlicher Solidarität und
demokratischer Gestaltungsfähigkeit entgegensetzen.
Wir
haben die Pflicht, zu politischen Mehrheiten in Deutschland und in
Mecklenburg-Vorpommern beizutragen, die die eigenständigen Erfahrungen
und die produktiven Chancen in Ostdeutschland und den eigenständigen
sozialen und kulturellen Reichtum der Ostdeutschen endlich nutzen.
Wir
haben die Pflicht zu politischen Mehrheiten in Deutschland und
Mecklenburg-Vorpommern beizutragen, die bereit sind, den inzwischen ja
nicht geringer, sondern noch viel größer gewordenen, aber immer
ungerechter verteilten Reichtum dieses Landes zugunsten aktiver und
moderner Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik einzusetzen, zugunsten von
Bildung und Kultur, zugunsten der Umwelt und der sogenannten Dritten Welt,
zugunsten größerer politischer und finanzieller Handlungsspielräume der
Länder und Kommunen.
Niemand
von uns verkennt, dass Stoiber, die CDU/CSU und die Fun- und
Demoskopie-Partei den Abbruch des Sozialstaats mit hoher
Wahrscheinlichkeit beschleunigen werden. Allerdings hat auch Rot-Grün auf
vielen Gebieten die Politik der Kohl-Regierung negativ übertroffen. Wenn
Gregor Gysi vor einer Woche meinte, die PDS – vor die Alternative Schröder
oder Stoiber gestellt – werde bereit sein, ihre Stimmen Schröder zu
geben, so ist damit zum einen eine banale Selbstverständlichkeit
ausgesprochen. Zum anderen aber auch eine Illusion, denn kein noch so an
seinem Posten hängender Kanzler kann sich mit der Wahl begnügen. Er muss
sich zumindest auch der Stimmen für seinen Haushalt und für seine Außen-
und Sicherheitspolitik sicher sein. Und die kann und wird er nicht von der
PDS bekommen können, solange Schröder und die SPD nicht zu deutlichen
Veränderungen ihrer Politik bereits sind. Es ist richtig, dass Gregor
deutlich gemacht hat, dass die Fortsetzung von Schröders Kanzlerschaft
nicht an der PDS scheitert. Es ist ohnehin richtig, deutlich zu machen,
dass wir sehr wohl zwischen SPD und CSU, Schröder und Stoiber
unterscheiden können. Aber es muss hinzugefügt werden, dass eine
breitere, nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Sozialdemokraten und
Sozialisten an der aktuellen Politik der SPD scheitert.
Die
PDS hat in der Vergangenheit viel gelernt, sehr viel verändert. Sie hat
den Antisozialdemokratismus hinter sich gelassen. Sie wird auch in den nächsten
Jahren sich weiter verändern. Aber das von uns angestrebte
Mitte-Links-Projekt kann und wird nicht die Anpassung der PDS – gleich
den Grünen – an militärische Interventionspolitik, an Verzicht auf
Verteilungsgerechtigkeit und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer,
an die Arroganz der herrschenden Eliten gegenüber dem Osten der Republik
bedeuten. Wir haben das Schweigen der SPD, der Grünen, der CDU/CSU und
FDP gegenüber den immer häufigeren Völkerrechtsbrüchen der USA, gegenüber
der raschen Militarisierung ihrer Politik, die Missachtung der
Menschenrechte, der UNO, der so offenkundigen Vorbereitung weiterer Kriege
nicht mitgemacht, und wir werden es auch in Zukunft nicht mitmachen.
Das
und nicht eine Unterschätzung Stoibers sind die Gründe, warum wir in
unserem Rostocker Wahlprogramm den Wählerinnen und Wählern gesagt haben,
dass wir als Opposition in den Wahlkampf und in die neue Legislaturperiode
gehen. Es gibt keinen Grund, daran Abstriche zu machen. Alles andere wäre
erstens der Bruch eines zentralen und wirklich wichtigen Wahlversprechens.
Zweitens wäre es die Selbstaufgabe der PDS. Würden wir mit der
Bundesregierung die Kriegspolitik der USA mitmachen, wäre diese Partei am
Ende, und das zu Recht! Drittens besteht die Bedeutung, Chance und vor
allem Verantwortung der PDS nicht in ihrer Perspektive als zweiter
sozialdemokratischer Partei, sondern als moderner
demokratisch-sozialistischer Partei. Nur in dieser Differenz wird sie für
Millionen Menschen wichtig sein, nur in dieser Differenz wird sie im übrigen
auch Partnerin der Sozialdemokratie werden können. Wir werden aktiv an
einem alternativen politischen Projekt in Deutschland mitarbeiten. Wir
machen das mit Achtung vor der Geschichte und den Leistungen der
Sozialdemokratie. Die Regierungskoalition mit der SPD in
Mecklenburg-Vorpommern ist weit über die Landespolitik hinaus ein
strategischer Beitrag zur Entwicklung einer solchen neuen strategischen
Konstellation. Aber wir haben auch zur Kenntnis zu nehmen, dass die
Sozialdemokratie auf Bundesebene zu einer wirklichen Alternative zum
Neoliberalismus aktuell nicht bereit und nicht fähig ist.
Liebe
Genossinnen und Genossen,
angesichts
der erwähnten Dynamik im Wahlverhalten, mit der am 22. September zu
rechnen sein wird, und die sich bereits in Sachsen-Anhalt dramatisch
gezeigt hat, kommt dem Wahlkampf in diesem Jahr eine noch größere
Bedeutung zu als dies ohnehin der Fall wäre. Wer nicht in der Lage ist,
seine Wählerinnen und Wähler konkret anzusprechen, zu motivieren und zu
mobilisieren, wird sie im Nichtwählerlager oder gar bei anderen Parteien
wiederfinden. Und Motivierung und Mobilisierung beginnt zuerst bei uns
selbst. Natürlich haben wir vom Parteivorstand zu fordern, die
unerquicklichen und demotivierenden Machtkämpfe einzustellen und
gemeinsam die ganze Partei auf einen wirkungsvollen, sinnlichen,
erfolgreichen Wahlkampf auszurichten. Wir wollen, dass verantwortliche
Funtionäre und Mitarbeiter des Bundesvorstandes nicht Machtkämpfe gegen
Gabi Zimmer, sondern unseren Wahlkampf führen! Aber wir sollten auch
nicht nur zum Karl-Liebknecht-Haus blicken, sondern bei uns selbst
beginnen, zumal diese Querelen auch langweilig, kleinkariert und banal
sind. Wir sollten auch vom Landesvorstand fordern, die Konsequenzen aus
den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt, Schwerin und Rostock zu ziehen, und
die können nur heißen, den aktivsten, engagiertesten und
konzentriertesten Mobilisierungswahlkampf zu organisieren. Und er muss
sinnlich sein: Es reicht nicht, dass wir selbst davon überzeugt sind,
eine insgesamt gute Arbeit in diesem Land und in der Koalition geleistet
zu haben. Was die Menschen nicht erreicht, wird einfach nicht zählen.
Der
kluge Titel eines Kabarettprogramms aus DDR-Zeiten könnte uns leiten:
„Auf dich kommt es an, nicht auf alle!“ Jede und jeder kann seine
eigenen Möglichkeiten bestimmen, aber der Kreisvorstand muss diesen
Wahlkampf und uns als seine Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer auch klar
organisieren. Wir brauchen einen energischen, gut geleiteten, lebendigen
Wahlkampf hier im Kreis Parchim.
Wenn
die Menschen in den nächsten Wochen besonders intensiv erleben können,
welche klugen, kompetenten, engagierten und charmanten Mitglieder und
Freunde die PDS in ihrem Dorf, ihrem Wohngebiet, in diesem Kreis hat,
haben wir die halbe Miete bereits drin.
Wenn
sie noch einmal mit öffentlichem Nachdruck erleben, dass diese Partei
sich konsequent und mit guten Argumenten Kriegspolitik und dem Kurs der
Bush-Administration entgegenstellt, werden sie daran erinnert sein, dass
die Ablehnung von Krieg einen Parteinamen hat: PDS.
Wenn
wir uns als einzige Partei dafür einsetzen, dass der riesige Reichtum
dieser Gesellschaft gerecht verteilt wird, die großen Vermögen und
Konzerne endlich wieder stärker zur Finanzierung des Gemeinwesens, der
Kommunen, der Arbeitsmarktpolitik und der Zukunftschancen junger Menschen
herangezogen werden, dann werden Menschen wissen, dass soziale
Gerechtigkeit einen Parteinamen hat: PDS.
Wenn
wir SPD und Grünen ebenso wie CDU/CSU und FDP ihr historisches Versagen
in Ostdeutschland vorhalten und unsere modernen Konzepte für
Mecklenburg-Vorpommern bekannt machen können, dann werden die Wählerinnen
und Wähler wissen, dass authentische ostdeutsche Interessenvertretung
einen Parteinamen hat: PDS.
Wenn
wir mit Gesprächen, Infoständen und Wahlkampftrabbi, mit unseren
Kandidatinnen und Kandidaten, vor allem aber persönlich tausendfach in
unserem Freundeskreis und unserer Nachbarschaft erlebbar sind, wenn von
uns Zuversicht, Lebendigkeit, Ideen, originelle Aktionen ausgehen, wenn
wir unser Material flächendeckend verteilen und dieses Material lesbar,
spannend und menschlich geschrieben ist, dann werden die Wählerinnen und
Wähler wissen, dass die Partei des Demokratischen Sozialismus überzeugende
Kandidaten und Hunderte kluge, engagierte Gesichter hat. Das wäre ein
erfolgreicher Wahlkampf. Und das wird unser Wahlkampf in Parchim, in
Mecklenburg-Vorpommern, in der ganzen Bundesrepublik.
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