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Leserbrief
an die Süddeutsche Zeitung
am
09.10.2000
Betrifft:
Heribert Prantl „Exorzismus gegen Neonazis“ (SZ vom 09.10.2000, S. 4)
Meiner
Meinung nach hat Prantl völlig Recht. Offensichtlich will die
Bundesregierung die verkündeten 75 Millionen DM aus den Europäischen
Sozialfonds fast ausschließlich für zeitweilige beschäftigungspolitische
Maßnahmen eingesetzen. Aktive Beschäftigungspolitik könnte aber nur
dann zur Eindämmung des Rechtsextremismus beitragen, wenn sie eine
strukturelle und nachhaltige Orientierung hätte. Alles andere ist
kurzschlüssiger Aktionismus und wird keinen wirklichen Effekt bei der Zurückdrängung
des Rechtsextremismus haben (dazu liegen ausreichende Untersuchungen vor).
Wahrscheinlicher ist es ohnehin ein Versuch der Bundesregierung, unter dem
Dach des Kampfes gegen Neonazis zusätzliche Gelder zu organisieren, um
die beschäftigungspolitischen Versprechen der Regierung für Jugendliche
einzulösen. Den Vereinen der freien Jugendarbeit vor Ort, die demgegenüber
nachweislich die größte Wirksamkeit in der Auseinandersetzung mit dem
Neonazismus haben, werden dagegen die Mittel massiv gekürzt (in Dresden
beispielsweise von 1999: 17 auf 2000: 13 Mill. DM, bei gleichzeitigen
deutlichen und vielfach nicht selbst beeinflussbaren Kostensteigerungen für
die freien Träger). Der Maßstab von Wirksamkeit würde von der
Bundesregierung und den anderen Akteuren verlangen, diesen Missstand als
Erstes zu beseitigen.
Mit
freundlichen Grüßen
André
Brie
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