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André Brie: Redebeitrag vor der Evangelischen Akademie Tutzing zur Rolle
der Linken in der Bundesrepublik
Voraussetzungen für rot-rot-grüne Koalition schaffen
Der
Europaabgeordnete der Linken und frühere Wahlkampfleiter der PDS André
Brie hat die Notwendigkeit einer klaren linken Opposition in der
Bundesrepublik betont. Vor dem Politischen Klub der Evangelischen Akademie
Tutzing erklärte Brie am Sonnabend, der “in den vergangenen Jahrzehnten
auch in der Bundesrepublik erst geistig, dann politisch, wirtschafts- und
sozialpolitisch und schließlich auch kulturell durchgesetzte
Neoliberalismus, Freiheit im Sinne der Wirtschaft, des Marktes, des
Wettbewerbs, der Deregulierung, hat die Gesellschaft (...) weitreichend
verändert”. Inzwischen sei jedoch “eine Krise des neoliberalen Projektes
und seiner gesellschaftlichen Akzeptanz” zu konstatieren. Daraus entstehe
das zentrale Handlungsfeld der Linken.
Der
Politiker plädierte dafür, “dass die Linke bereits für die Bundestagswahl
2009 ihre Voraussetzungen für eine rot-rot-grüne Koalition schafft”. Dies
bedeute eine uneingeschränkt verlässliche demokratische Kultur in der
Partei selbst, transparente und öffentliche Debatten um ihre politischen
und programmatischen Ziele, eine glaubwürdige Doppelstrategie von
gleichzeitiger Auseinandersetzung mit der SPD und Öffnung von
Möglichkeiten einer künftigen strategischen Zusammenarbeit und die
Entwicklung der politisch-programmatischen Inhalte für ein alternatives
Projekt.
“Es
spricht zur Zeit wenig dafür, dass eine solche Zusammenarbeit bereits 2009
Realität wird”, so Brie, “aber es ist auch nicht mehr auszuschließen. Das
Hindernis dafür heißt nicht Oskar Lafontaine. Das ist ein zwar
psychologisch für die SPD-Führung verständliches, aber lächerliches und
politisch nicht verantwortungsvolles Argument. Die Probleme liegen in der
noch relativ geringen gesellschaftlichen Akzeptanz eines solchen
Bündnisses und im Fehlen konkreter programmatischer Grundlagen bei allen
potenziellen Partnern. Das Beispiel der Stadt Berlin mit ihrer besonderen
Geschichte zeigt jedoch, dass bereits in kurzer und kaum vorhergesagter
Zeit sich die Bedingungen grundlegend ändern können.”
Brie
verwies jedoch zugleich auf die Probleme einer Regierungsbeteiligung der
Linken. “Sie muss im Bündnis mit anderen Parteien ihr über eine
Koalitionsvereinbarung weit hinausgehendes, unterscheidbares Profil
bewahren. In ihren bisherigen Regierungsbeteiligungen ist ihr das –
zumindest für die Wählerinnen und Wähler – nicht überzeugend gelungen,
wobei Landespolitik unter den bestehenden Bedingungen für die Linke, die
sich ja wesentlich über die zentralen gesellschaftspolitischen Fragen
definiert, ohnehin ein schwieriger Ort für die Selbstbehauptung ist.”
“Die
Verantwortung der neuen Linken erschöpft sich nicht darin, eine gewisse
sozialdemokratische Korrektur der Politik zu bewirken”, betonte der
Politiker. ”Sie erschöpft sich schon gar nicht darin, Mehrheitsbeschaffer
für die SPD zu sein. Die neue Linke ist nach meiner Überzeugung kein
vorübergehendes Phänomen. Sie steht für das strategische Projekt eines
grundlegenden Richtungswandels in der Bundesrepublik Deutschland und in
Europa.” |