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28. April 2004 |
André Brie
Mit
200 km/h nach Schwerin
Am
Montag hatte ich eigentlich für eine Abenddiskussion
mit der Kampagne gegen die Wehrpflicht in Berlin zur
Sicherheits- und Militärpolitik der EU zugesagt. Kurz
nach 15 Uhr erinnerte mich jedoch eine Mitarbeiterin des
Wahlbüros daran, dass ich um 17 bei ver.di in Schwerin
sein sollte. Peinlich, vergessen, nicht ordentlich in
den Kalender eingetragen, schnell Ersatz für Berlin
organisert, um 15.24 saß ich im Auto in Berlin-Mitte,
mit zehn Minuten Verspätung kam ich in Schwerin an –
ohne die Verkehrsregeln verletzt zu haben, aber mit mehr
als 200 km/h, dort, wo ich sie fahren durfte. In
Schwerin erwarteten mich etwa 40 Kolleginnen und
Kollegen (erstaunlich viel junge) der
Dienstleistungsgewerkschaft (ich selbst bin in der IG
Metall) und mein
SPD-Kollege
Dr. Heinz Kindermann, der alle vier Wochen aus dem
mecklenburgischen Strasburg nach Straßburg fährt. Wir
haben im EP ohnehin ein anderes, viel besseres
Verhältnis zwischen den Abgeordneten der verschiedenen
Fraktionen als in deutschen Parlamenten; mit Heinz
Kindermann habe ich es ohnehin. Da ist es nicht leicht,
die politischen Unterschiede deutlich zu machen (zur
Sicherheitspolitik der EU kamen wir nicht). Aber
Wahlkampf war auch nicht wichtig an diesem Nachmittag.
Erstens waren wir uns einig, dass gewerkschaftliche
Positionen und internationale gewerkschaftliche
Zusammenarbeit in Europa gestärkt werden müssen,
zweitens ging es insbesondere darum, über die Arbeit
des EP, der Abgeordneten und die konkrete Bedeutung der
EU zu informieren. Auch hier erlebte ich wieder viele
Befürchtungen, vor allem aber eine große Bereitschaft,
auch die Chancen der europäischen Integration und der
EU-Erweiterung gegenüber den Beschäftigten in den
Betrieben und Institutionen deutlich zu machen.
Nach
diesem angenehmen Gespräch fuhr ich gemütlich nach
Hause. Diesmal nur mit 150 km/h.
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