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25. März 2004 |
André Brie
Das Problem
eines Wahlkampfs ohne Politisierung
Der
Europawahlkampf ist sicherlich für alle Bewerberinnen
und Bewerber besonders schwierig. Noch überwiegt für
mich ohnehin die normale Arbeit: Diskussion mit Schülerinnen
und Schülern am deutsch-polnischen Gymnasium in Löcknitz,
Treffen mit Bürgermeistern und Unternehmern, Bürgerforen,
in denen es um blanke Information geht.
Eine
Politisierung und Polarisierung wie beispielsweise im
Bundestagswahlkampf 2002 besteht nicht. Das
Medieninteresse ist gegenwärtig gering und wird auch in
den nächsten Wochen nur mäßig zunehmen. Vor allem
aber hat das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an
der EU und dem Europäischen Parlament weiter
abgenommen. 1994 hatten nur 60 Prozent der
Wahlberechtigten in Deutschland an der Wahl zum EP
teilgenommen, 1999 nur noch 45 Prozent.
SPIEGEL, Stern,
BILD haben in den vergangenen Wochen intensiv und
wirkungsvoll den Eindruck vermittelt, die Arbeit des EP
sei von Diätenerhöhung, ungerechtfertigten
Pensionsforderungen und krimineller Erschleichung von
Tagegeldern gekennzeichnet. Abgesehen davon, dass die
linke Fraktion seit eh und je transparente Lösungen
fordert und dass ein Mehrklassenparlament einfach nicht
mehr akzeptabel ist (der italienische Abgeordnete erhält
11.300 €, der ungarische 900 €), halte ich es für
unverantwortlich, wenn dieses Parlament und seine Arbeit
in Deutschland auf diese Fragen reduziert werden. Frust,
das Gefühl der Fremdheit, Ohnmacht, Enttäuschung
vieler Menschen über das Fehlen fast jeder sozialen
Dimension in der europäischen Politik sind ohnehin
berechtigt.
Aber Passivität
und Desinteresse werden nichts ändern. Ohne
Wahlteilnahme werden die Defizite der EU nur noch größer.
Die EU und das Parlament haben eine primäre
Verantwortung dafür, dass Menschen sich beteiligt fühlen.
Meiner Meinung nach verlangt das vor allem die bereits
ereichte soziale Dimension der EU und wesentlich
erweiterte demokratische Möglichkeiten der Bürgerinnen
und Bürger. Doch auch die Medien haben eine
demokratische Verantwortung, und Journalistinnen und
Journalisten sollen sich bewusst sein, wie gefährlich
es ist, wenn die politische und demokratische Rolle der
europäischen Wahlen und des Europäischen Parlaments
endgültig in Vergessenheit geraten.
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