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Zu dem am Freitag von den Präsidenten der USA
und Russlands, George W. Bush und Wladimir Putin, unterzeichneten Vertrag
zur Reduzierung nuklearer Sprengköpfe erklärt der PDS-Europaabgeordnete
und Abrüstungsexperte(*) Dr. André Brie:
Schlupflöcher statt bindender
Verpflichtungen
Die Lorbeeren für das
russisch-amerikanische Abkommen zur nuklearen Abrüstung sind
unangebracht. „Schlupflöcher“ im Vertragstext, unklare
Umsetzungsregelungen sowie ein von den USA demontiertes vertragliches
Umfeld im Abrüstungsbereich lassen die Vereinbarung auf eine politische
Willenserklärung schrumpfen:
Erstens ist lediglich das Endziel des Abrüstungsprozesses
im Jahre 2012 (1700 bis 2200 Sprengköpfe auf jeder Seite) festgelegt.
Bindende Zwischenschritte sind nicht fixiert. Zudem kann das Abkommen mit
einer Frist von lediglich drei Monaten jederzeit gekündigt werden.
Zweitens wurde Russland die Zustimmung zur
Einlagerung von Atomsprengköpfen als „operationelle Reserve“ in den
USA abgepresst. Von einer tatsächlichen Abrüstung kann also keine Rede
sein.
Drittens hat Washingtons mit der Aufkündigung
des ABM-Vertrags ein wesentliches flankierendes Element des Abrüstungsprozesses
beseitigt. Die nuklearstrategische Parität ist damit bereits unterhöhlt.
Viertens schließlich setzen die USA die
Einkreisung Russlands durch die geplante NATO-Osterweiterung und die
Stationierung von Militärberatern in Georgien unvermindert fort – trotz
der Warnungen aus Moskau.
Die USA haben die Schwäche Russlands
genutzt, um ihre Vorstellungen von „Abrüstung“ durchzusetzen. Eine
wirkliche „strategische Partnerschaft“ mit Moskau, wie sie von US-Präsident
George W. Bush in seiner Berliner Rede abermals beschworen wurde, steht
offensichtlich nur auf dem Papier.
(*) Dr. André Brie beschäftigte sich als
Dozent und Lehrstuhlleiter am Institut für Internationale Beziehungen in
Potsdam-Babelsberg mit Abrüstungsfragen. 1985 und 1986 war er als
Wissenschaftlicher Berater der DDR-Delegation in der Genfer Abrüstungskonferenz
tätig; von 1985-1992 Mitglied der Pugwash-Konferenz, Arbeitsgruppen
"Konventionelle Waffen" und "Nukleare Waffen in
Europa".
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