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Dr.
André Brie am 10. Juni 2003:
PDS-Politiker fordert vor
Afghanistan-Reise verstärktes internationales Engagement zur
Stabilisierung des Landes. Einziges deutsches Mitglied in Delegation des
Europaparlaments:
USA entziehen sich der
Verantwortung
Unmittelbar vor seiner
Abreise nach Kabul hat der Europaabgeordnete André Brie die westlichen
Staaten zu mehr politischem und wirtschaftlichem Engagement in Afghanistan
aufgefordert. „Die jüngsten Anschläge und Kämpfe belegen, dass sich
das neue gesellschaftliche System noch nicht etablieren konnte“, erklärte
der PDS-Politiker am Montag in Berlin. Brie ist das einzige deutsche
Mitglied einer ad-hoc-Delegation des Europaparlaments, die sich ab
Dienstag über die aktuelle Situation in Afghanistan informieren wird. Wie
der Parlamentarier bekräftigte, wolle er sich bei der Reise insbesondere
auch um die Aufklärung möglicher Kriegsverbrechen an gefangenen Taliban
unter den Augen von US-Militärs bemühen.
„Die Washingtoner
Politik hat wesentlich zur Verschärfung der innenpolitischen Lage in
Afghanistan in jüngster Zeit beigetragen“, sagte Brie. So sei das von
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Anfang Mai verkündete Kampfende
und der erklärte „Beginn einer Phase der Stabilität“ nicht nur
realitätsfremd, sondern zugleich die verdeckte Ankündigung, sich
zunehmend der Verantwortung für die Entwicklung in Afghanistan zu
entziehen. Zudem setzten die USA trotz dieser Ankündigung ihre Militäraktionen,
verborgen vor der Öffentlichkeit, fort. „Washington hat zwar stets
Konzepte für das Führen von Kriegen, jedoch nie zur Lösung der ursächlichen
Probleme“, so Brie. „Die Kritiker, die bereits vor Beginn des
US-Kriegs am Hindukusch darauf hingewiesen haben, dass Washington kein
Vorstellungen über ein Afghanistan nach den Taliban hat, haben
offensichtlich Recht behalten.“
Der Abgeordnete verwies
zudem auf die Finanzierungslücke beim Wiederaufbau in Afghanistan. „Der
Finanzbedarf in den nächsten zehn Jahren wird von den UN auf mindestens
15 Milliarden Dollar geschätzt“, betonte der Abgeordnete. Die
internationale Geberkonferenz im März habe für die kommenden zwölf
Monate 1,8 Milliarden Dollar zugesagt. „Das sind 90 Prozent der Summe,
die die afghanische Regierung für diesen Zeitraum benötigt.“ In der nächsten
Konferenzrunde im September müsse der Betrag deutlich aufgestockt
werden. „Hier stehen vor allem die Staaten in der Pflicht, die mit ihren
Bombardements eine Spur der Verwüstung in Afghanistan hinterlassen
haben.“
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