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Dr.
André Brie am 28. Mai 2003:
Europaabgeordneter kritisiert Orientierung
auf kurzfristige Interessen. Zusammenarbeit in Sicherheitspolitik,
Wirtschaft und Menschenrechtsfragen gefordert
EU von gemeinsamer Strategie gegenüber
Russland noch weit entfernt
Der Europaabgeordnete André Brie hat die
Europäische Union zur Umsetzung einer langfristig angelegten Strategie
gegenüber Moskau aufgerufen. Unmittelbar vor dem EU-Russland-Gipfel am
Freitag in St. Petersburg kritisierte der PDS-Politiker, das Brüsseler
Vorgehen orientiere sich nach wie vor zu stark an kurzfristigen
Interessen. Die fehlende Klarheit in der Gemeinschaft über das
strategische und institutionelle Ziel des Dialogs mit Russland und das zögerliche
Angehen von Problemen berge die Gefahr, dass „die derzeit weit offene Tür“
für die Entwicklung der Beziehungen geschlossen werden könnte.
„Die
Gemeinsame Strategie der EU gegenüber Russland vom Juni 1999 ist bislang
weder gemeinsam noch eine Strategie, noch wird das viel bescheidenere,
aber immerhin existierende Konzept für die Beziehungen zwischen der EU
und Russland konsequent realisiert“, erklärte Brie am Mittwoch am Rande
einer Tagung in Thessaloniki. Notwendig sei vor allem eine tatsächliche
Partnerschaft auf sicherheitspolitischem Gebiet: „In einer Welt, in der
die Rolle der Vereinten Nationen und des Völkerrechts durch die Politik
und die militärische Übermacht der USA akut gefährdet werden, ist es
von größter Bedeutung, dass EU und Russland gemeinsam zu
Multilateralismus, zur Stärkung des internationalen Rechts,
internationaler Kooperation, internationaler Abkommen und internationaler
Abrüstung beitragen.“
Daneben
forderte Brie eine „substanzielle und qualitative“ Weiterentwicklung
der ökonomischen Kontakte der EU zu Russland. Die bewusste Entwicklung
wechselseitiger Verflechtungen könne die Beziehungen stabilisieren und
auf dauerhafte Basis stellen. Als „unakzeptabel“ bezeichnete der
Abgeordnete in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Struktur der
russischen Exporte in die EU der eines rohstoffreichen Entwicklungslandes
gleicht.
Nicht
zuletzt brauche eine strategische Partnerschaft auf beiden Seiten eine
konsistente und konsequente Orientierung auf Demokratie und die
Durchsetzung der Menschen- und Minderheitenrechte, hob Brie hervor. Zwar müsse
es auf beiden Seiten Achtung und Verständnis für Differenzen und
unterschiedliche Bewertungen, Erfahrungen und Bedingungen in dieser
Hinsicht geben. „Was es jedoch nicht geben darf, ist eine konjunkturelle
Behandlung der Menschenrechte und ihrer Rolle, wie sie insbesondere in der
Tschetschenienfrage zum Tragen kommt.“
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