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Dr.
André Brie am 18. Juni 2003:
Europaabgeordneter
kritisiert nach Reise Menschenrechtslage. Neue Hinweise auf Ermordung
inhaftierter Taliban-Kämpfer
Situation in
Afghanistan bedrohlich
Der Europaabgeordnete
André Brie hat die Lage in Afghanistan als „bedrohlich und instabil“
charakterisiert. „Nach wie vor fehlen tragfähige Konzepte für die
Entwicklung des Landes“, erklärte der PDS-Politiker am Mittwoch nach
seiner Rückkehr aus Kabul. Brie war einziges deutsches Mitglied einer
Delegation des Europaparlaments, die sich in den vergangenen Tagen über
die politische, wirtschaftliche und humanitäre Situation in Afghanistan
informierte. Auf dem Besuchsprogramm der Abordnung hatten unter anderem
Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, dem früheren König
Zahir Schah, mit Stammesältesten in Nord- und Südafghanistan, regionalen
Warlords sowie Kommandeuren von ISAF und der US-geführten Streitkräfte
gestanden. Zudem führten die Abgeordneten Gespräche mit
Regierungsmitgliedern, Vertretern von UN und EU sowie von internationalen
Hilfsorganisationen.
„Die
Situation wird durch die weitgehende Handlungsunfähigkeit der
Zentralregierung weiter verschärft“, betonte der Parlamentarier. So sei
deren Kompetenz auf den Großraum Kabul beschränkt. Zugleich mehrten sich
Spannungen innerhalb des Kabinetts Karsai, die durch verschiedene
Stammesinteressen geschürt würden. „Die Fortsetzung der
internationalen Hilfe, auch durch die EU, ist dringend notwendig, um einen
Stabilisierungskurs zumindest einzuleiten“, so Brie. Insbesondere sei es
erforderlich, die katastrophale wirtschaftliche und soziale Situation in
Afghanistan zu verbessern.
Deutliche
Kritik äußerte der Abgeordnete an der Menschenrechtslage in Afghanistan.
Zwar seien für Frauen in der Hauptstadt Fortschritte erzielt worden. Außerhalb
Kabuls jedoch würden sie weiterhin umfassend diskriminiert: „Nur 30
Prozent der Mädchen können im Land eine Schule besuchen.“ Als skandalös
bezeichnete Brie die offensichtliche Tatsache, dass von den US-Truppen ein
eigenes Gefängnis unterhalten wird, in dem es ungeklärte Todesfälle und
systematische Folterungen gegeben habe.
In
diesem Zusammenhang sprach der PDS-Politiker auch die mutmaßlichen
Menschenrechtsverletzungen durch Truppen der Anti-Taliban-Koalition und
die mögliche Duldung dieser Verbrechen durch das US-Militär in
Mazar-i-Sharif an. Die Tötung von Gefangenen sei unter anderem bei einem
Gespräch mit dem Warlord Raschid Dostum faktisch bestätigt worden. Wie
Brie weiter berichtete, haben der
Vertreter des UN-Generalsekretärs für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, und
der afghanische Außenminister Abdullah Abdullah um internationale Unterstützung
bei der Aufklärung der Vorgänge in Mazar-i-Sharif und insbesondere bei
der Sicherung der Massengräber und beim Zeugenschutz nachgesucht.
Die
Fortsetzung bzw. Ausweitung des Mandats der internationalen Schutztruppe
ISAF lehnte der Abgeordnete ab. Deren Aufgaben müssten von einer
nationalen afghanischen Polizei und nationalen Sicherheitskräften übernommen
werden. Nur so sei es auch möglich, die Tätigkeit von
Hilfsorganisationen zu sichern. Die internationale Hilfe beim Aufbau einer
gesamtafghanischen Polizei müsse massiv verstärkt werden.
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