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22. November 2005: EU-Dienstleistungsrichtlinie: Sozialdemokratie kippt
um. Große Koalition auch in Brüssel. Binnenmarktausschuss des EP stimmt
für Herkunftslandprinzip
Am
späten Dienstag Abend hat der federführende Ausschuss des Europäischen
Parlaments mit großer Mehrheit für die Dienstleistungsrichtlinie und damit
für das Prinzip gestimmt, dass Dienstleister europaweit nach den Gesetzen
und anderen Bestimmungen ihres Herkunftslandes tätig werden dürfen.
Dazu erklärt der Obmann der Vereinten Europäischen Linken im Ausschuss,
André Brie:
Konservative, Liberale und die UEN haben sich im Ausschuss durchgesetzt.
Obwohl die Sozialdemokratische Fraktion zuvor gemeinsam mit der Linken und
den Grünen das Herkunftslandprinzip abgelehnt hatte, stimmte sie
mehrheitlich in der Schlussabstimmung der Richtlinie auf der Grundlage
dieses Prinzips zu oder ihre Abgeordneten enthielten sich der Stimme.
Damit macht sich die Sozialdemokratische Fraktion mitverantwortlich dafür,
dass niedrige Sozial- und Lohnstandards, niedrige Niveaus im
Verbraucherschutz, in der Qualität von Dienstleistungen, im Umwelt- und
Haftungsrecht künftig in Europa einen massiven Konkurrenzvorteil bedeuten
werden. Dienstleister aus einem Land mit niedrigen Standards – auch
Dienstleister, die ihren Firmensitz dorthin verlegen –, werden nicht mehr
die Bestimmungen eines Landes berücksichtigen mit höheren Standards
müssen, wenn sie dort ihre Dienstleistungen anbieten. Beschäftigten,
Kommunen, Handwerkern und andere Dienstleistern, dem Arbeits- und
Sozialrecht, Verbraucherschutz und Umweltrecht droht der Dumpingwettlauf.
Die Fraktion der Vereinten Europäischen Linken wird ihren Widerstand gegen
die Dienstleistungsrichtlinie vor der Anfang 2006 geplanten
Plenar-Abstimmung verstärken. Gewerkschaften, kommunale Verbände,
Handwerks-, Industrie- und Handelskammern sowie andere Betroffene sollten
sich nach meiner Überzeugung endlich gründlich über die weit reichenden
Konsequenzen informieren und sich der Kritik an der
Dienstleistungsrichtlinie anschließen, wenn sie nicht deren Opfer werden
wollen.
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