|
Presseerklärung
André
Brie: Militärschläge gegen Afghanistan widersprechen politischer
Vernunft
Am
Sonntag Abend begannen die USA und Großbritannien mit Militärschlägen
gegen Afghanistan, bei denen offensichtlich auch Zivilisten getötet
wurden. Diese Aktionen widersprechen der politischen Vernunft:
Erstens
wird mit der Bombardierung Afghanistans das Problem des Terrorismus nicht
gelöst. Dem berechtigten Anliegen, die Urheber der Anschläge vom 11.
September in den USA zur Verantwortung zu ziehen, ist man damit keinen
Schritt näher gekommen. Vielmehr besteht nun die Gefahr, dass die Spirale
des religiösen Extremismus weiter gedreht wird.
Zweitens
wird die katastrophale Situation der Bevölkerung in Afghanistan weiter
verschärft. Die Zahl der Flüchtlinge, unter denen jetzt schon Hunderte
Tote zu beklagen sind, wird angesichts der militärischen Aktionen noch stärker
anwachsen. Daran wird auch die Bereitstellung von Hilfsgütern nichts ändern.
Drittens
wurde den Anstrengungen, das Problem des Terrorismus auf politischem und
diplomatischem Weg und über die Beseitigung der sozialen und
wirtschaftlichen Wurzeln dafür anzugehen, ein schwerer Schlag versetzt.
Die Chancen auf eine friedliche Beilegung des Konflikts um Afghanistan
scheinen verspielt. Auch der erklärten Absicht, international abgestimmt
gegen den Terrorismus vorzugehen, wurde schwerer Schaden zugefügt.
Insbesondere die europäischen NATO- und EU-Staaten wurden abermals zu
Handlangern des militärischen Kurses Washingtons gemacht.
Viertens
schließlich wurden bei den Militärschlägen gegen Afghanistan
rechtsstaatliche Prinzipien außer acht gelassen. Weder wurden bislang die
Beweise für die Urheberschaft Osama Bin Ladens für die Anschläge in den
USA öffentlich gemacht, noch wurden Haftbefehle gegen mutmaßliche
Hintermänner in Afghanistan ausgestellt. Gerade vor dem Hintergrund der
militärischen Aktionen hat die Bevölkerung aber ein Recht auf sachliche
und umfassende Information.
Angesichts
der aktuellen Entwicklung kommt es nun für alle Kräfte der Vernunft
darauf an, eine weitere Eskalation der Situation auszuschließen und einen
Kreislauf von militärischen Aktionen und Gegenaktionen zu stoppen.
Brüssel,
den 8. Oktober 2001
|