ANDRÉ BRIE    
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Interview vom 12.02.2003 in der "jungen welt"

 

Sie haben die angebliche deutsch-französische Initiative für eine UN-Blauhelm-Mission im Irak, die inzwischen wie eine Seifenblase geplatzt zu sein scheint, zunächst fast euphorisch begrüßt. Was hat Sie dazu bewogen?

Jede Chance, die angebracht erscheint, den drohenden Irak-Krieg doch noch zu verhindern, ist es wert, genutzt zu werden. Zumal es nicht mehr viele Chancen geben wird.

 

Ein Besatzungsregime im Irak unter UN-Herrschaft ist also nach Ihrer Auffassung einem US-Angriff vorzuziehen?

Ich bin nicht für eine Besetzung des Irak, ich bin allein dafür, daß der Krieg verhindert wird. Ich habe bei zwei Aufenthalten im Irak hautnah erleben können, welches Leid und welche Demütigungen  der letzte Golfkrieg und die anschließend verhängten UN-Sanktionen über die irakische Bevölkerung gebracht haben. Das im Irak herrschende diktatorische Regime, das u.a. Giftgas gegen die eigene kurdische Bevölkerung eingesetzt hat, macht aber auch die alte linke Losung »Freiheit oder Tod« sinnlos.

 

Wie stehen sie jetzt zu der deutsch-französischen Initiative?

Ich halte die Initiative angesichts des Dilettantismus, mit dem diese von der Bundesregierung vorbereitet und publik gemacht wurde, inzwischen für völlig unrealistisch. Am vergangenen Sonnabend war das so noch nicht absehbar. Dazu kommt, daß die USA einem solchen Plan ohnehin nicht zustimmen würden.

 

Haben Ihnen Ihre Gespräche mit UN-Generalsekretär Kofi Annan und Chefinspekteur Hans Blix vergangene Woche in New York Hoffnung gemacht?

Deprimierend war vor allen Dingen das Gespräch mit dem stellvertretenden Chef der UNO-Mission der USA, Botschafter James Cunningham, der sehr deutlich gemacht hat, daß es den USA auf Biegen und Brechen um ihren Krieg geht. Andererseits herrscht aber innerhalb der UNO eindeutig das Bestreben vor, einen Krieg zu verhindern. Insbesondere Hans Blix hat auf mich den Eindruck gemacht, als verrichte er seine Arbeit mit dem Ziel, den USA einen Kriegsvorwand aus der Hand zu schlagen. 

 

Wie bewertete Blix die Mitarbeit des Irak bei den UN-Waffeninspektionen?

Einerseits hat er ausdrücklich anerkannt, daß der Irak in technischer Hinsicht hervorragend mitarbeitet. Andererseits hat er aber auch in aller Deutlichkeit kritisiert, daß die Bereitschaft des Irak, aktiv, das heißt  aus eigener Initiative mit der Kommission zusammenzuarbeiten, nicht zufriedenstellend ist. Seine dahingehenden Argumente waren aus meiner Sicht auch nicht völlig von der Hand zu weisen. Ich glaube, dass die Methoden, mit denen Südafrika vor zwölf Jahren die internationale Öffentlichkeit überzeugt hat, dass es sein Kernwaffenprogramm tatsächlich eingestellt hat, ein gutes Beispiel wären. Das irakische Regime, dass in der Vergangenheit mehrfach Massenvernichtungswaffen eingesetzt hat, kann eben - selbst bei konsequenten Gegner des US-Krieges - nicht Vertrauen in eine radikal veränderte Politik voraussetzen. Die USA müssen gestoppt werden, aber damit das vielleicht doch noch möglich wird, muss Bagdad kooperativer und offener werden.

 
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