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Interview
vom 12.02.2003 in der "jungen welt"
Sie
haben die angebliche deutsch-französische Initiative für eine
UN-Blauhelm-Mission im Irak, die inzwischen wie eine Seifenblase geplatzt
zu sein scheint, zunächst fast euphorisch begrüßt. Was hat Sie dazu
bewogen?
Jede Chance, die
angebracht erscheint, den drohenden Irak-Krieg doch noch zu verhindern,
ist es wert, genutzt zu werden. Zumal es nicht mehr viele Chancen geben
wird.
Ein Besatzungsregime
im Irak unter UN-Herrschaft ist also nach Ihrer Auffassung einem
US-Angriff vorzuziehen?
Ich
bin nicht für eine Besetzung des Irak, ich bin allein dafür, daß der
Krieg verhindert wird. Ich habe bei zwei Aufenthalten im Irak hautnah
erleben können, welches Leid und welche Demütigungen
der letzte Golfkrieg und die anschließend verhängten
UN-Sanktionen über die irakische Bevölkerung gebracht haben. Das im Irak
herrschende diktatorische Regime, das u.a. Giftgas gegen die eigene
kurdische Bevölkerung eingesetzt hat, macht aber auch die alte linke
Losung »Freiheit oder Tod« sinnlos.
Wie
stehen sie jetzt zu der deutsch-französischen Initiative?
Ich
halte die Initiative angesichts des Dilettantismus, mit dem diese von der
Bundesregierung vorbereitet und publik gemacht wurde, inzwischen für völlig
unrealistisch. Am vergangenen Sonnabend war das so noch nicht absehbar.
Dazu kommt, daß die USA einem solchen Plan ohnehin nicht zustimmen würden.
Haben Ihnen Ihre Gespräche
mit UN-Generalsekretär Kofi Annan und Chefinspekteur Hans Blix vergangene
Woche in New York Hoffnung gemacht?
Deprimierend
war vor allen Dingen das Gespräch mit dem stellvertretenden Chef der
UNO-Mission der USA, Botschafter James Cunningham, der sehr deutlich
gemacht hat, daß es den USA auf Biegen und Brechen um ihren Krieg geht.
Andererseits herrscht aber innerhalb der UNO eindeutig das Bestreben vor,
einen Krieg zu verhindern. Insbesondere Hans Blix hat auf mich den
Eindruck gemacht, als verrichte er seine Arbeit mit dem Ziel, den USA
einen Kriegsvorwand aus der Hand zu schlagen.
Wie
bewertete Blix die Mitarbeit des Irak bei den UN-Waffeninspektionen?
Einerseits
hat er ausdrücklich anerkannt, daß der Irak in technischer Hinsicht
hervorragend mitarbeitet. Andererseits hat er aber auch in aller
Deutlichkeit kritisiert, daß die Bereitschaft des Irak, aktiv, das heißt
aus eigener Initiative mit der Kommission zusammenzuarbeiten, nicht
zufriedenstellend ist. Seine dahingehenden Argumente waren aus meiner
Sicht auch nicht völlig von der Hand zu weisen. Ich glaube, dass die
Methoden, mit denen Südafrika vor zwölf Jahren die internationale Öffentlichkeit
überzeugt hat, dass es sein Kernwaffenprogramm tatsächlich eingestellt
hat, ein gutes Beispiel wären. Das irakische Regime, dass in der
Vergangenheit mehrfach Massenvernichtungswaffen eingesetzt hat, kann eben
- selbst bei konsequenten Gegner des US-Krieges - nicht Vertrauen in eine
radikal veränderte Politik voraussetzen. Die USA müssen gestoppt werden,
aber damit das vielleicht doch noch möglich wird, muss Bagdad
kooperativer und offener werden.
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