|
Dr.
André Brie am 18. November 2003:
Europaabgeordneter
sieht US-Politik als Haupthindernis für Stabilisierung Afghanistans
ISAF-Aufstockung
untaugliches Mittel
Der
PDS-Europaabgeordnete André Brie hat die Aufstockung der ISAF-Truppen in
Afghanistan unter den gegenwärtigen Bedingungen als „untaugliches
Mittel“ zur Stabilisierung des Landes bewertet. „Sicherheit in
Afghanistan verlangt einen umfassendem und raschen Abrüstungsprozess,
insbesondere der Privatarmeen von Warlords und Provinzgouverneuren. Diese
Abrüstung wird derzeit jedoch von den USA und ihren Verbündeten
vehindert“, erklärte der Politiker am Dienstag in Berlin unter Verweis
auf die wachsende Zahl von Überfällen und Anschlägen. Brie, der auch
Afghanistan-Berichterstatter des Europäischen Parlaments ist, reagierte
damit auf Forderungen des stellvertretenden ISAF-Kommandeurs, General
Andrew Leslie, nach Bereitstellung von
weiteren 5.000 bis 10.000 Soldaten.
Als
Haupthindernis für eine friedliche und demokratische Entwicklung
Afghanistans bezeichnete der PDS-Abgeordnete das aktuelle Desinteresse der
USA an einer Konfliktlösung. Als
wichtigste Aufgaben zur Befriedung nannte Brie, der erst Anfang November
Afghanistan besuchte, den Aufbau tragfähiger staatlicher Strukturen, die
Schaffung nationaler Sicherheitskräfte sowie die internationale
nichtmilitärische Unterstützung der demokratischen Kräfte und der
Zivilgesellschaft des Landes. „Es ist ein Widersinn, dass gerade jene
Warlords, Provinzgouverneure und Drogenbarone der früheren Nordallianz
Hilfen des Westens erhalten, die maßgeblich zur Zersplitterung des Landes
beitragen und eine Demokratisierung verhindern.“
|