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Dr.
André Brie am 02. Januar 2004:
Berichterstatter des
Europaparlaments fordert Stärkung der Zivilgesellschaft. Wahrung von Bürgerrechten
für Frauen und Minderheiten angemahnt
Zivile Grundrechte in
Afghanistan akut gefährdet
Der Afghanistan-Berichterstatter
des Europäischen Parlaments, der PDS-Abgeordnete André Brie, hat die
EU-Staaten zu verstärkter Unterstützung der Zivilgesellschaft in dem
Land am Hindukusch aufgerufen. „Die Situation in der Loja Dschirga
zeigt, dass eine neue Verfassung allein die Demokratisierung Afghanistans
nicht sichern kann“, sagte Brie am Freitag in Schwerin. Die Große
Ratsversammlung ist derzeit festgefahren; die Annahme des neuen
Grundgesetzes sollte bereits vor über einer Woche erfolgen.
Die Ursachen für die Verzögerung
sieht der Politiker auch im Zuschnitt der neuen afghanischen Verfassung
nach US-Vorbild. „Neben der nahezu beispiellosen Ausweitung der
Machtbefugnisse für Präsident Karsai bergen einige Artikel die Gefahr
der Beschneidung von zivilen Grundrechten“, betonte Brie. Dies betreffe
unter anderem die Gleichberechtigung von Bevölkerungsgruppen und
ethnischer Minderheiten sowie vor allem die Sicherung der Bürgerrechte für
Frauen. „Die Tatsache, dass es gerade in diesen Fragen zu schweren
Konflikten in der Loja Dschirga kommt, zeigt die gesellschaftliche Brisanz
der Probleme.“
Der PDS-Abgeordnete regte an, die
Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen zu einem Thema auf der
geplanten zweiten Bonner Afghanistan-Konferenz zu machen. „Solche
Strukturen existieren bereits und werden gegen den Widerstand
konservativer Kreise, von Warlords und Provinzgouverneuren ausgebaut“,
erklärte Brie unter Bezug auf seine jüngsten Afghanistan-Reisen. „Es
ist ein Unding, dass die Hilfe des Westens nach wie vor zu großen Teilen
in die Taschen von Kriegsherren und regionalen Machthabern fliesst, während
der Zivilgesellschaft als wesentlichem Element der Demokratisierung die
Unterstützung vorenthalten wird.“
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