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Dr.
André Brie am 05. November 2003:
Berichterstatter des Europaparlaments
kritisiert nach Rückkehr aus dem Land am Hindukusch fehlende Unterstützung
für demokratische Kräfte
Bonner Afghanistan-Friedensplan gefährdet
Als
„längst überfällig“ hat der Afghanistan-Berichterstatter des Europäischen
Parlaments, der PDS-Abgeordnete André Brie, die Vorstellung des
afghanischen Verfassungsentwurfs am Sonntag bewertet. Allerdings bestehe
bei einer Reihe von Artikeln die Gefahr der Einschränkung ziviler
Grundrechte und persönlicher Freiheiten, erklärte Brie nach seiner Rückkehr
aus Afghanistan am Mittwoch in Brüssel. Der Parlamentarier hatte sich in
den vergangenen Tagen über die politische, wirtschaftliche und soziale
Situation in dem Land am Hindukusch informiert. Neben Gesprächen mit
Vertretern von EU, UNO und internationalen Hilfsorganisationen standen
auch Begegnungen mit Repräsentanten der afghanischen Führung, darunter
mit dem Sicherheitsberater des Präsidenten und dem Finanzminister, und
verschiedenen Parteien sowie mit dem Oberkommandierenden der ISAF, General
Gliemeroth, auf dem Programm.
„Trotz
einzelner Verbesserungen ist der Verfassungsentwurf gegenüber den
inoffiziellen Vorschlägen nach wie vor stark vom Bezug auf den Islam geprägt“,
so Brie. Zudem würden die Rechte des Staatspräsidenten so stark
erweitert, dass die Mitsprache der demokratischen Öffentlichkeit gefährdet
sei. Besorgt zeigte sich der Abgesandte des Europaparlaments auch über
die Verschiebung des Wahltermins in Afghanistan: „Es ist ein
Armutszeugnis, dass die internationale Gemeinschaft nicht ausreichend
Mittel zur Verfügung stellt, um die Abstimmung planmäßig durchzuführen.
Die Verzögerung macht die Umsetzung der auf der Bonner
Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 getroffenen Beschlüsse zur
Demokratisierung des Landes unwahrscheinlich.“
Macht der Warlords ungebrochen
Als Gefährdung der Entwicklung in
Afghanistan sieht Brie auch die ungebrochene Macht der Warlords,
Feldkommandeure und einzelner Provinzgouverneure. „Trotz einiger
symbolischer Aktionen hat eine Waffenabgabe der Milizen real noch nicht
begonnen“, sagte der Abgeordnete. Vor allem die US-Truppen würden eine
Abrüstung der von ihnen unterstützten Warlords verhindern. „Vielfach
werden die paramilitärischen Einheiten sogar verstärkt mit Waffen, die
mit Geldern aus der Drogenproduktion finanziert werden, ausgerüstet.“
Brie betonte, dass nach Schätzung von Experten Afghanistan in diesem Jahr
ein Rekordniveau bei der Opiumernte erreichen werde. „Wenn nicht Abrüstung
und Bekämpfung der Rauschgiftproduktion komplex angegangen werden, droht
eine weitere Destabilisierung oder gar das Entstehen eines mafiösen
Drogenstaates.“ Der Abgeordnete kritisierte in diesem Zusammenhang, dass
im Gegensatz zu den Warlords „die große Gruppe der demokratischen Kräfte“
kaum internationale Unterstützung erfahre. Hier sei insbesondere die
Europäische Union gefragt.
USA müssen Rechtsstaatlichkeit
garantieren
Während
seiner Reise hatte der Afghanistan- Berichterstatter auch das Privatgefängnis
des Usbekengenerals Rashid Dostum besucht und dort mit Häftlingen
gesprochen. Wie Brie mitteilte, seien in dem Gefängnis noch etwa 1.000
Menschen, etwa zur Hälfte Afghanen und Pakistani, inhaftiert. „Die
internationale Gemeinschaft, die UNO – unter deren Protektorat
Afghanistan steht –, die EU und vor allem die USA als eigentliche Macht
im Land sind verantwortlich für den Mangel an grundlegender
Rechtsstaatlichkeit“, hob der Politiker hervor. „Die Gefangenen müssen
ein ordnungsgemäßes, faires Verfahren zugebilligt bekommen oder
freigelassen werden.“
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