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In
der Debatte des EP erklärte der PDS-Abgeordnete André Brie im Namen der
Vereinten Europäischen Linken:
Änderung
der jugoslawischen Politik hat stattgefunden, die der NATO- und EU-Politik
nicht!
Brie
stellte fest: "Wir teilen das Anliegen, eine weitere rasche und
wirksame Finanzhilfe für Jugoslawien zu gewähren."
Zugleich
äußerte der PDS-Abgeordnete jedoch scharfe Kritik an der Jugoslawien-
und Balkanpolitik der EU. Die notwendige juristische Auseinandersetzung
mit Milosovic erfolge mit unrechtsstaatlichen Mittel und einer
erpresserischen Politik der USA und der EU.
Es
sei ein charakteristisches Problem der EU-Politik, wenn zu Recht im einem
Antrag gefordert werde, "dass die Finanzhilfe an die rechtsstaatliche
Entwicklung Jugoslawiens gebunden wird, gleichzeitig aber die Missachtung
rechtsstaatlicher Entscheidungen geradezu erpresst wird. Es wird keine
nachhaltig demokratische Entwicklung in Jugoslawien mit solchen Mitteln
geben, und so wird sie auch anderswo ernstlich diskreditiert.
Ich
stelle eine Doppelgleisigkeit, genauer gesagt eine Doppelzüngigkeit, der
Balkan-Politik der EU fest. Meine Fraktion und ich unterstützen
uneingeschränkt die Forderungen nach Demokratisierung,
Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschen- und Minderheitenrechte. Hier
werden Sie uns auf Ihrer Seite haben. Deshalb haben wir die
Auseinandersetzung mit dem Milosovic-Regiem geteilt. Aber anders als
andere Fraktionen wenden wir uns auch gegen den Rechtsbruch der NATO. Wir
stellen fest, dass im Kosovo nicht die Minderheitenrechte realisiert und
die ethnische Säuberung verhindert, sondern im Gefolge der Besetzung
durch die KFOR genau diese ethnische Säuberung Realität wurde. Wir
blicken nach Mazedonien und sehen eine UCK, die angeblich entwaffnet
worden ist, in Wirklichkeit aber im Kosovo durch die KFOR hofiert und
geduldet wurde. Erst jetzt, wo die Zerstörung Mazedoniens in einem
blutigen Bürgerkrieg nur noch schwer abwendbar ist, ist die KFOR plötzlich
zu wirksameren Kontrollen in der Lage."
"Die
erfreuliche Änderung der jugoslawischen Politik hat begonnen, die der
NATO- und EU-Politik steht leider aus. Diese Anmerkung war aus meiner
Sicht zu dem heutigen Bericht erforderlich."
Strasbourg,
5. Juli 2001
André
Brie, Rede am 4. Juli 2001 im Europäischen Parlament zur Finanzhilfe für
Jugoslawien
Ich
kann zu diesem Thema nur für eine Mehrheit meiner Fraktion sprechen.
Zunächst
möchte ich dem Berichterstatter für seine sorgfältige Arbeit danken.
Seinem Bericht und dem Vorschlag der Kommission i stimmen wir grundsätzlich
zu. Wir teilen das Anliegen, eine weitere rasche und wirksame Finanzhilfe
für Jugoslawien zu gewähren. Angesichts der sozialen, wirtschaftlichen
und ökologischen Situation in dem Land und vor allem angesichts der
realen Not, der ein Großteil der Bevölkerung ausgesetzt ist, muss alles
andere dahinter zurücktreten. Auch die demokratische Entwicklung in
Jugoslawien erlaubt und verlangt diese Unterstützung gleichermaßen.
Ich
erlaube mir aber den Verweis darauf, dass meine Fraktion und ich persönlich
diese Finanzhilfe auch als Beitrag zur Wiedergutmachung der Schäden
betrachten, die der völkerrechtswidrige Krieg der NATO Jugoslawien zugefügt
hat.
Aktuelle
Entwicklungen veranlassen mich ohnehin, die Zustimmung zu diesem Vorschlag
mit kritischen Bemerkungen zur Jugoslawien- und Balkanpolitik der
EU-Staaten zu verbinden.
Ich
persönlich zweifle nicht, dass Milosovic für zahlreiche Kriegsverbrechen
und wirtschaftliche, soziale und andere Verwüstungen in
Bosnien-Herzegowina und im Kosovo verantwortlich ist. Desgleichen für
auch für krasse Missachtungen demokratischer und rechtsstaatlicher
Standards.
Umso
befremdlicher ist es, dass die jetzige serbische Regierung sich in der
notwendigen Auseinandersetzung mit Milosovic ebenfalls über
rechtsstaatliche Grundsätze hinwegsetzt. Dass dies von den USA, vom
deutschen Bundeskanzler und anderen offiziellen Kreisen in der EU und hier
im Parlament geradezu gefordert wurde, ist unverantwortlich. Dass die USA
für sich selbst die Unterwerfung unter den geplanten internationalen
Strafgerichtshof ablehnen verweist zudem auf einen arroganten
machtpoltische Zynismus dieser Politik. Bewusst wurde von der NATO; der EU
und dem Internationalen Währungsfonds auch die Gefahr eines für die
wirtschaftliche Entwicklung und Frieden völlig kontraproduktiven
Auseinanderbrechens der jugoslawischen Föderation in Kauf genommen.
Sehr
geehrter Herr Berichterstatter, es ist ein charakteristisches Problem der
EU-Politik, wenn Sie meiner Meinung nach zu Recht im Änderungsantrag 2
fordern, dass die Finanzhilfe an die rechtsstaatliche Entwicklung
Jugoslawiens gebunden wird, gleichzeitig aber die Missachtung
rechtsstaatlicher Entscheidungen geradezu erpresst wird. Es wird keine
nachhaltig demokratische Entwicklung in Jugoslawien mit solchen Mitteln
geben, und so wird sie auch anderswo ernstlich diskreditiert.
Ich
stelle eine Doppelgleisigkeit, genauer gesagt eine Doppelzüngigkeit, der
Balkan-Politik der EU fest. Meine Fraktion und ich unterstützen
uneingeschränkt die Forderungen nach Demokratisierung,
Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschen- und Minderheitenrechte. Hier
werden Sie uns auf Ihrer Seite haben. Deshalb haben wir die
Auseinandersetzung mit dem Milosovic-Regiem geteilt. Aber anders als
andere Fraktionen wenden wir uns auch gegen den Rechtsbruch der NATO. Wir
stellen fest, dass im Kosovo nicht die Minderheitenrechte realisiert und
die ethnische Säuberung verhindert, sondern im Gefolge der Besetzung
durch die KFOR genau diese ethnische Säuberung Realität wurde. Wir
blicken nach Mazedonien und sehen eine UCK, die angeblich entwaffnet
worden ist, in Wirklichkeit aber im Kosovo durch die KFOR hofiert und
geduldet wurde. Erst jetzt, wo die Zerstörung Mazedoniens in einem
blutigen Bürgerkrieg nur noch schwer abwendbar ist, ist die KFOR plötzlich
zu wirksameren Kontrollen in der Lage.
Mit
präventiver und dauerhafter Sicherheitspolitik hat das alles nichts zu
tun. Es ist Zeit, von einer Politik wegzukommen, die die Konflikte eindämmt
und die Schäden mildert, zu denen sie selbst maßgeblich beiträgt. Es
ist Zeit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Einhaltung von
Menschenrechten nicht nur vom politischen Gegner zu verlangen, sondern
selbst auch dort zu praktizieren, wo sie den eigenen Machtinteressen im
Wege ist. Alles andere wird zu neuen Milosovic' oder Sadam Husseins führen.
Die erfreuliche Änderung der jugoslawischen Politik hat begonnen, die der
NATO- und EU-Politik steht leider aus. Diese Anmerkung war aus meiner
Sicht zu dem heutigen Bericht erforderlich.
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