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Dr.
André Brie fordert Beibehaltung bzw. Neugestaltung der EU-Förderung für
ostdeutsche Ziel-1-Gebiete über 2006 hinaus
Neue
Bundesländer in der “statistischen Falle”
“Ende
Januar hat die EU-Kommission ihre Finanzplanung für die Erweiterung der
Gemeinschaft vorgestellt. Vollmundig verkündete Brüssel, die Aufnahme
von zehn neuen Ländern in die Europäische Union werde nicht mehr kosten
wie bislang geplant. Unter den Tisch fällt jedoch, dass gerade die neuen
Bundesländer in Deutschland im Zuge der Erweiterung von EU-Fördertöpfen
abgeschnitten werden könnten.
Alle
ostdeutschen Länder werden derzeit als sogenannte Ziel-1-Regionen
(Durchschnittseinkommen pro Kopf unter 75 Prozent des Mittelwertes aller
EU-Staaten) mit Mitteln aus den europäischen Strukturfonds unterstützt.
Mit der Aufnahme wirtschaftlich schwächer entwickelter Staaten wird das
durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt der EU pro Kopf jedoch sinken –
um 13 Prozent bei einem Übergang von 15 zu 25 Mitgliedstaaten. Die neuen
Bundesländer liegen dann voraussichtlich über der 75%-Marke und fallen
aus der Förderung heraus, ohne das sich etwas an der ökonomischen oder
sozialen Situation geändert hat. Die Fortsetzung mittel- und langfristig
angelegter und von der EU geförderter Vorhaben ist damit akut gefährdet.
Mit der Erweiterung wird die wirtschaftliche und soziale Heterogenität in
der EU generell eine neue Qualität annehmen. So lag laut Eurostat 1999 in
den Beitrittsländern in 52 von 56 Regionen das regionale BIP pro Kopf
unter 75 Prozent des EU-Durchschnitts. Neun Regionen erreichten nicht
einmal 25 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist es von zentraler Bedeutung,
die Verhältnisse in den Beitrittsländern adäquat in der Regional- und
Strukturpolitik zu berücksichtigen.
Die
Diskussion um die Neugestaltung der Struktur- und Regionalpolitik nach
Auslaufen der gegenwärtigen Finanzplanungsperiode im Jahre 2006 hat
bereits begonnen. Dabei darf es nicht um die Sicherung von Erbhöfen
gehen, sondern um eine klare Bestandsaufnahme, in welchen EU-Regionen auch
nach 2006 noch Strukturfondsmittel eingesetzt werden müssen. Aufgrund
ihres wirtschaftlichen Rückstands werden die neuen Bundesländer in
Deutschland weiter auf eine Unterstützung aus Brüssel angewiesen sein.
Sonst könnten sie zu den Verlierern der Erweiterung gehören.”
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