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Die europäische Währungsunion wird zur
internationalen Spekulationsunion
Brüssel, 3. Mai 2000
Mit der stereotypen Gesundbeterei durch die
Finanzminister der Euro-Staaten, Bundesfinanzminister Hans Eichel
vorneweg, werden die Menschen für dumm verkauft. Noch unlängst haben
ihnen die Experten der konservativen, liberalen und sozialdemokratischen
Parteien den Euro als sichere Erfolgsgeschichte einer starken und auch im
Außenwert stabilen Währung verkauft, nun wird das eingetretene Gegenteil
bagatellisiert. Schuld sei allein die vergleichsweise gute
Wirtschaftsentwicklung in den USA. Doch der Euro fällt auch gegenüber
dem Schweizer Franken, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen auf
Rekordtiefs. Weder die Regierenden noch die Zentralbanker kümmert ihr
Geschwätz von gestern. Die berechtigten Befürchtungen der Menschen
werden arrogant ignoriert.
Die eigentlichen Ursachen des Euro-Sturzes dürften
darin zu suchen sein, dass die europäische Währungsunion und das Statut
der Europäischen Zentralbank von Anfang an fehlkonstruiert waren und der
Währungsspekulation nicht nur Tür und Tor öffneten, sondern geradezu
aktiv über die europäische Schwelle verhalfen.
Der Monetarismus der deutschen Währungspolitik
wurde von größten politischen Koalitionen europäisiert. Politische oder
gar demokratische Einflussmöglichkeiten auf den Zentralbankrat wurden
nach deutschem Bundesbankmodell verhindert. Die Währungsunion wurde ohne
Beschäftigungs- und Sozialunion und selbst ohne ausreichende
Koordinierung der makroökonomischen, der Finanz- und Steuerpolitik eingeführt.
Die Eindämmung der rasant wachsenden internationalen Devisen- und
Aktienspekulationen, zum Beispiel durch eine Steuer auf kurzfristige
internationale Devisen- und Aktientransaktionen („Tobin“-Steuer) wurde
mit ideologischem Fundamentalismus abgelehnt. Folgerichtig ist der Euro
zum Gegenstand massiver Spekulation geworden. Die Politik, die sich selbst
entmachtet hat, sieht hilflos zu.
Die Schwäche des Euro ist die Schwäche europäischer
Politik.
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