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Brüssel, den 10 Oktober
2003
Eurobarometer-Umfrage
in den Beitritts- und den Kandidatenländern: hohe Erwartungen der jungen
Menschen aus diesen Ländern an die Europäische Union
Die Lebensweise und die persönlichen Erwartungen der jungen
Menschen aus den zehn am 1. Mai 2004 beitretenden Ländern und aus den drei Kandidatenländern
ähneln im Großen und Ganzen denen der Jugendlichen in der alten
15er-Union. Dies ist das Ergebnis einer Eurobarometer-Befragung von 10 000
Personen, die im Frühjahr 2003 im Auftrag der Generaldirektion Bildung
und Kultur der Europäischen Kommission durchgeführt wurde. Die
Umfrageergebnisse zeigen außerdem, dass sich die jungen Menschen aus den
Beitritts- und den Kandidatenländern bei gesellschaftlichen Fragen und
hinsichtlich ihrer Erwartungen an die Union offenbar stärker von der
entsprechenden Altersgruppe in der 15er-Union unterscheiden.
„Sieben
Monate vor der größten Erweiterung in der Geschichte der Europäischen
Union glaube ich feststellen zu können, dass sich die jungen Menschen in
den Beitritts- und Kandidatenländern einerseits und in der 15er-Union
andererseits in puncto Vorlieben und Aktivitäten in vielerlei Hinsicht ähnlich
sind,“ erklärte Viviane Reding, die für Bildung und Kultur zuständige
Kommissarin. „Allerdings zeigt die Umfrage auch, dass die Erwartungen
dieser jungen Menschen sehr hoch sind. Dies gilt es bei der Ausarbeitung
der nächsten europäischen Programmgeneration – für die ich zuständig
bin und an der bereits die meisten an der Umfrage beteiligten Länder
mitwirken – zu berücksichtigen.“
Bei
der Umfrage sind zwischen dem 21. März und dem 4. Mai 2003
9754 Personen im Alter von 15 bis 24 Jahren einzeln bei sich zu Hause
befragt worden.
In
der „alten“ Europäischen Union ist die gleiche Altersgruppe im Jahr
2001 befragt worden, so dass sich nun analysieren lässt, wo Parallelen
und wo Unterschiede zwischen den jungen Menschen bestehen.
Erfolg
des Handys, aber ein noch begrenzter Einsatz im Vereinsleben
Bei
den Freizeitaktivitäten liegen Fernsehen, Musik und Treffen mit Freunden
bei allen jungen Menschen (EU-15, Beitrittsländer, Kandidatenländer) auf
den ersten drei Plätzen.
Die
jungen Menschen aus den Beitritts- und den Kandidatenländern beteiligen
sich allerdings doppelt so häufig an Arbeiten im Haus wie die
in der Union, und sie lesen ein bisschen mehr; dafür gehen sie seltener
ins Kino, Konzert oder Theater.
Die Informationstechnologien
werden von den jungen Menschen in den Beitrittsländern stärker genutzt
als von denen in der EU:
-
PC: 63 % (gegenüber
56 %) nutzen ihn mindestens einmal pro Woche.
-
Internet: 50 %
(gegenüber 37 %) sind häufig im Netz.
-
E-Mail: 34 %
(gegenüber 31 %).
Die
meist genutzte Technologie ist ebenso wie in der EU das Handy: Drei
Viertel der jungen Menschen in den künftigen Mitgliedstaaten nutzen jede
Woche das Handy (gegenüber 80 % in EU-15).
Die
jungen Menschen aus den Kandidatenländern und den zehn Beitrittsländern
haben wie ihre Altersgenossen aus der heutigen Union ein begrenztes
Vereinsleben (über die Hälfte ist keinem Verein angeschlossen).
Beide
Gruppen halten das Bildungssystem für den geeignetsten Weg, um zu lernen,
wie man aktiv am politischen Leben teilnimmt (für 26 % steht es an
erster Stelle).
Bei
der Frage, wie sich die aktive Mitwirkung erleichtern ließe, sind sie
sich mit den jungen Menschen aus der heutigen Union einig: mehr gezielte
Informationskampagnen, Anhörungen von jungen Menschen vor der
Beschlussfassung und Programme für Staatsbürgerkunde. Hingegen sprechen
sie sich deutlich zahlreicher für den Freiwilligendienst (51 % gegenüber
19 %) und für Jugendvereinigungen aus (45 % gegenüber 28 %).
Weniger
Reisen, aber bessere Fremdsprachenkenntnisse
56 %
der jungen Menschen in den künftigen Mitgliedstaaten und in den
Kandidatenländern (gegenüber 63 % in EU-15) haben in den
vergangenen zwei Jahren mindestens ein fremdes Land besucht. Allerdings
geben 98 % der jungen Türken, 82 % der jungen Bulgaren und 78 %
der jungen Rumänen an, keines der in der Umfrage genannten Länder
besucht zu haben.
Hauptgrund
für eine Auslandsreise ist für alle der Urlaub, doch die Ziele sind
unterschiedlich: Die Jugend aus den Beitritts- und den Kandidatenländern
ist vornehmlich nach Deutschland, Italien, Österreich, in die Slowakische
und die Tschechische Republik gereist, während Spanien und Frankreich die
Lieblingsziele der jungen Menschen aus der heutigen Union sind.
Als
größtes Mobilitätshindernis wird von allen die Frage der Sprache
genannt. Aus der Umfrage geht indes hervor, dass mehr junge Menschen in
den Beitritts- und den Kandidatenländern eine, zwei oder drei
Fremdsprachen sprechen. Zwei Drittel
können ein Gespräch in einer anderen Sprache führen, und nur 17 %
kennen keine Fremdsprache (gegenüber 32 % in EU-15).
Die
von den jungen Menschen mit Abstand am häufigsten gesprochene
Fremdsprache ist Englisch (50 % in der EU gegenüber 47 % in den
Beitritts- und den Kandidatenländern), gefolgt von Deutsch
(17 %), Russisch (8 %) und Französisch (7 %).
Fremdsprachenkenntnisse
werden von 81 % der jungen Menschen in den Beitrittsländern als
zentrale Voraussetzung für einen guten Arbeitsplatz genannt (gegenüber 44 % in
der heutigen Union).
Bei
gesellschaftlichen Fragen zeigen sich deutlichere Unterschiede
Die volljährigen
jungen Menschen aus den Beitritts- und den Kandidatenländern sind auch zu
den Ansichten ihrer Generation zu bestimmten gesellschaftlichen Themen
(denselben wie bei der Eurobarometer-Umfrage in den 15 Mitgliedstaaten)
befragt worden.
Häufiger als die
jungen Menschen in der EU glauben sie, dass ihre Altersgenossen für einen
obligatorischen Aids-Test sind (66 % gegenüber 61 % in der EU),
für eine obligatorische medizinische Behandlung von Pädophilen (74 %
gegenüber 60 %), für eine Begrenzung der Kinderzahl bei sozial
Schwachen (32 % gegenüber 27 %) und für die Todesstrafe (47 %
gegenüber 27 %).
Umgekehrt meinen sie,
dass für die Euthanasie nur 39 % (gegenüber 50 % in der EU)
sind, für gleichgeschlechtliche Ehen 38 % (gegenüber 59 %) und
für die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare 19 % (gegenüber
40 %).
Vergleicht man die
Daten aus allen Beitritts- und Kandidatenländern mit denen aus der EU, so
treten die Unterschiede sogar noch deutlicher hervor (durchschnittlich 20
Prozentpunkte Abweichung).
Die gleichen jungen
Menschen haben sich auch zur Anwesenheit von Ausländern in ihren
jeweiligen Ländern geäußert.
Während in der Europäischen
Union nur 9 % der Befragten meinen, dass es in ihrem Land nicht viele
Ausländer gibt, sind es in den Beitritts- und Kandidatenländern 49 %
(gegenüber 27 % in der EU). 46 % sind denn auch dafür, dass
die Ausländer dieselben Rechte wie die Inländer haben müssten. Und 55%
geben an, froh darüber zu sein, Ausländer im Land zu haben.
Eine
stärkere Abhängigkeit von der Familie
Dieses Thema wurde
unter dem Gesichtspunkt der – vor allem finanziellen – Abhängigkeit
vom elterlichen Haushalt betrachtet.
Für 72 % der
Befragten in den Beitritts- und den Kandidatenländern besteht diese
Bindung aus materiellen Gründen: Sie hätten nicht die Mittel, einen
eigenen Haushalt zu gründen.
Sieben von zehn jungen
Menschen aus diesen Ländern geben an, den Großteil ihres Geldes von
ihren Eltern oder ihren Familien zu erhalten. Das sind deutlich mehr als
in den Ländern der EU (52 %). An zweiter Stelle bei den
Einkommensquellen kommt für 18 % der Befragten die reguläre Arbeit
(gegenüber 35 % in der EU), gefolgt von der gelegentlichen Arbeit
(12 %).
In zwölf der dreizehn
Länder, in denen die Umfrage durchgeführt wurde, bildet der
Familienbeitrag die „Haupteinnahmequelle“ der jungen Menschen. In
Malta haben jeweils 43 % als wichtigste Einnahmequelle eine reguläre
Arbeit bzw. ihre Familien genannt.
Auf das Thema
Arbeitslosigkeit angesprochen, vertreten die jungen Menschen in den
Beitritts- und den Kandidatenländern kategorischere Meinungen als die
jungen Menschen in der Union.
Wären sie selber
arbeitslos, so würden die meisten eine Arbeit annehmen, sofern es sich um
eine feste und gut bezahlte Arbeit mit angemessenem Qualifikationsprofil
handelt (22 %). 18 % der jungen Menschen aus den im Jahr 2004
beitretenden Ländern würden ähnlich handeln, während diese Option für
die jungen Menschen in der EU nur an vierter Stelle rangiert (13 %).
Beim Vergleich mit
jungen Menschen in den EU-Ländern stellt man fest, dass diese eher bereit
sind, einen auch nicht ganz optimalen Arbeitsplatz anzunehmen oder aber
Praktika zu absolvieren, um ihre Einstellungschancen zu verbessern (12 %).
Nicht ganz so viele
wie in den Beitritts- und den Kandidatenländern (15 %) wären
allerdings bereit, jedwede Arbeit anzunehmen (13 %).
Große
Hoffnungen auf die Europäische Union
Die Erwartungen der
jungen Menschen gegenüber der Union sind in allen 13 Umfrageländern
hoch: Sie versprechen sich von der Europäischen Union eine bessere
Zukunft (61 % in den 13 Ländern; 47 % in den zehn im Jahr 2004
beitretenden Ländern gegenüber 28 % in EU-15), und zwar in
dreierlei Hinsicht: mehr Beschäftigungsmöglichkeiten, Freizügigkeit
innerhalb der EU, höhere Lebensqualität dank besserer wirtschaftlicher
Verhältnisse.
Mit dem Konzept der
europäischen Staatsbürgerschaft werden verbunden: das Recht, überall in
der EU arbeiten (75 %), wohnen (70 %) und studieren (69 %)
zu dürfen.
58 % der jungen
Menschen in den Beitritts- und den Kandidatenländern geben an, dass sie
über ihre staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten in der Schule oder an
der Universität informiert worden seien.
Auf die Frage nach den
wünschenswerten Prioritäten der EU, kommt für zwei Drittel der
Befragten die allgemeine und berufliche Bildung an erster Stelle; auf
Platz zwei folgen die Bewegungsfreiheit und die ungehinderte Wahl des
Ausbildungs-, Wohn- und Arbeitsortes in der EU.
Weitere Informationen unter
http://europa.eu.int/comm/public_opinion/cceb_en.htm
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