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Dr.
André Brie zu atomaren Drohungen Londons gegenüber Irak:
Unverantwortliche
Eskalation
Die
Europäische Union ist im Begriff, hinsichtlich eines Krieges gegen Irak
die letzte Chance für eine autonome Politik gegenüber den USA zu
verspielen. So ist Großbritannien nach den Worten seines
Verteidigungsministers Geoff Hoon bereit, „im Falle eines irakischen
Angriffs“ Atomwaffen gegen das arabische Land einzusetzen. London leitet
damit eine neue Phase der Eskalation im Konflikt mit Bagdad ein. Offenbar
sind die gefährliche Folgen nicht nur für die Region, sondern für die
internationale Sicherheit insgesamt, der britischen Regierung gleichgültig:
Erstens
wird eine militärische Auseinandersetzung mit Irak praktisch herbei
geredet. Und dies, obwohl sich in der angespannten Situation die Stimmen
mehren, die auf Deeskalation und politische Streitbeilegung drängen. Erst
am Montag Abend hatte der dänische Ministerpräsident Anders Fogh
Rasmussen gegenüber US-Präsident George Bush eine diplomatische Lösung
der Irak-Krise gefordert.
Zweitens
werden die Bemühungen der UNO zur Konfliktlösung konterkariert. Die
Drohungen Londons erfolgten nahezu zeitgleich mit der Ankündigung neuer
Gespräche zwischen Irak und der Weltorganisation über die Rückkehr von
UN-Rüstungsinspektoren.
Drittens
ist ein Atomwaffeneinsatz angesichts der unabsehbaren Konsequenzen in
keiner Form zu akzeptieren. Offensichtlich sind jedoch gerade Großbritannien
und die USA zunehmend bereit, „kleine“ Nuklearwaffen zur Realisierung
ihrer politische Ziele einzusetzen und damit den Weltfrieden in Gefahr zu
bringen.
Nicht
zuletzt erweist London auch der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
der Europäischen Union einen Bärendienst. Schon die Erklärung der
„uneingeschränkten Solidarität“ mit dem „Anti-Terror-Feldzug“
Washingtons führte eine eigenständige EU-Politik in der internationalen
Arena ad absurdum. Mit den atomaren Planspielen Großbritannien dürften
die Chancen der Gemeinschaft, in Krisensituationen politisch
zu agieren, weiter sinken.
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