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Dr.
André Brie zur EU-Beschäftigungspolitik:
Ignoranz
gegenüber Problem der Massenarbeitslosigkeit ist Skandal
Die EU-Kommission hat ihre Vorschläge für
den Beschäftigungsgipfel Mitte März in Barcelona vorgelegt. Statt sich
jedoch der realen Probleme der Arbeitslosen in der EU anzunehmen, setzt
die Kommission auf weitere Deregulierung und Liberalisierung der Märkte
– die letztlich allein den Unternehmen Vorteile bringen.
„Die
bisherigen Fortschritte sind ermutigend“, meint die Kommission. Tatsache
ist jedoch, dass mit derzeit 13,6 offiziell registrierten Arbeitslosen in
der EU die Quote von 7,8 Prozent Erwerbslosen nahezu gleich geblieben ist.
Die von Brüssel gefeierte Öffnung der Telekommunikationsmärkte oder die
Einführung des Euro haben an diesem Fakt nichts geändert.
„Einige
Kernvorschläge sind steckengeblieben“, meint die Kommission. Nicht
nachvollziehbar ist aber, wie die geforderte Integration der Finanzmärkte
oder die Entwicklung des Satellitennavigationssystems Galileo den
Arbeitslosen in der Gemeinschaft zu gute kommen soll. Auch die weitere
Privatisierung der Rentensysteme wird nicht zum Abbau der Arbeitslosigkeit
beitragen, sondern soziale Probleme weiter verschärfen.
„Einige
Bereiche erfordern prioritäre Maßnahmen“, meint die Kommission. Das
ist unbestritten. Allerdings reicht es bei weitem nicht aus, die Steuer-
und Transfersysteme zu überprüfen, die Arbeitszeiten zu
„flexibilisieren“, die Mobilität der Arbeitnehmer zu erhöhen und
deren Sprachkompetenz zu verbessern. Gefragt sind vielmehr konkrete
Schritte zur Schaffung von Arbeitsplätzen.
Vor
fast zwei Jahren hat der Europäische Rat von Lissabon das Ziel gesetzt,
die Union in zehn Jahren zur dynamischsten, wettbewerbsfähigsten und
nachhaltigsten Wirtschaft zu machen und die Vollbeschäftigung zu
erreichen. Was nun von der Kommission als Strategie vorgelegt wird, kann
nicht anders als skandalöse Ignoranz gegenüber dem Problem der
Massenarbeitslosigkeit in der EU bezeichnet werden.
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