PDS-Europaabgeordneter
André Brie bezeichnet Antwort auf parlamentarische
Anfrage als „Skandal"
EU-Ministerrat
lehnt Mitverantwortung für Bekämpfung antisemitischer
Tendenzen in Europa ab
Der
EU-Ministerrat sieht trotz zunehmender antisemitischer Tendenzen in Europa
keine Veranlassung zur aktiveren Bekämpfung dieser Entwicklung. Zwar
zeigte sich der Rat in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des
Europaabgeordneten André Brie *besorgt über eine mögliche Zunahme
antisemitischer Ausschreitungen". Eine Mitverantwortung für die
Aufklärung über die jüdische Geschichte oder für praktische Maßnahmen
zur Eindämmung antisemitischer Vorfälle lehnte der Ministerrat in dem
jetzt eingegangenen Schreiben jedoch ab. Brie hatte das Gremium im Frühjahr
angesichts der
wachsenden Zahl und Schwere der Übergriffe zum Handeln aufgefordert.
Der PDS-Politiker bezeichnete die Reaktion des Rats am Montag in Brüssel
als "Skandal". *Damit missachtet der Ministerrat nicht nur
verschiedene EU-Richtlinien, er verletzt auch die Grundrechtecharta, die
das Diskriminierungsverbot in Verfassungsrang erhebt, schon vor deren endgültigen
Verabschiedung. Noch verheerender ist das politische Signal, das mit der
Tatenlosigkeit gegenüber antisemitischen Umtrieben gesetzt wird."
Brie forderte in diesem Zusammenhang, die Kompetenzen der Europäischen
Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auszuweiten.
"Die Erfassung von rassistischen Vorfällen und Entwicklungen kann
nur ein erster Schritt sein. Nötig ist vor allem eine auf europäischer
und nationaler Ebene abgestimmte Politik zur wirksamen Bekämpfung solcher
Tendenzen."