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Dr.
André Brie am 14 Juli 2004:
Schriftliche
Anfrage an die EU-Kommission: Schlussfolgerungen und Konsequenzen welche
sich aus der durch die EU-KOM ko-finanzierten REFLEX-Studie ergeben
sollten
Im
Rahmen des 5. Forschungsrahmenprogramms wurde folgende Studie von der
EU-KOM mit 2.059.450 € ko-finanziert - "Risk Evaluation and
Potential Environmental Hazards from Low Energy Electromagnetic Field (EMF)
Exposure Using Sensitive in vitor Methods" (Contract N°
QLK4-CT-1999-01574). Diese Studie wurde im Mai 2004 abgeschlossen, und in
einer mit der EU-KOM abgestimmten Zusammenfassung der Ergebnisse ist unter
anderem zu lesen:
Future
Actions:
The
REFLEX project has created novel results. From a scientific point of view,
it has to be
stated
very clearly that the REFLEX data do not prove a causal link between EMF
exposure and any adverse
health
effects. The genotoxic and phenotypic effects, which have been reported
within REFLEX, clearly
require
further studies. These studies should include extensive external
replications of the key observations
reported,
initially using the same technological platform. A further objective
should be the extension of
REFLEX
investigations to appropriate animal models (e.g. genetically modified
mice) and human volunteer
studies.
Angesichts
dieser Zusammenfassung frage ich die EU-KOM:
- ob
und wenn ja welche Konsequenzen sie aus dieser Studie zieht ?
- ob
als Schlussfolgerung aus dieser Studie nicht bevorzugt Forschung gefördert
werden sollte, in der geprüft wird, ob sich die in vitro beobachteten
Zellveränderungen auch in vivio nachweisen lassen ?
E-1589/04DE Antwort von Herrn Michel im Namen der
Kommission (4. Oktober 2004)
In-vitro-Tests der Gentoxizität sind bewährte
Verfahren zur Feststellung potenziell karzinoger Wirkungen physikalischer
und chemischer Verbindungen. Hierzu zählen verschiedene zytogenetische
Endpunkte, wie Chromosomen-Aberrationen, Mikrokerne und der Austausch von
Schwesterchromatiden. In den letzten Jahren wurden die potenziellen
zytogenetischen Folgen nicht ionisierender elektromagnetischer Strahlung
untersucht. Die überwiegende Zahl der Berichte lässt darauf schließen,
dass diese Exposition bei Säugerzellen und Säugetieren nicht zur Erhöhung
von Brüchen des DNS-Strangs, chromosomalen Abweichungen, Mikrokernen und
Genmutationen führt. Die Studien sind häufig widersprüchlich, so fehlt es
an der Bestätigung positiver Ergebnisse durch unterschiedliche
Laboratorien, die unter den gleichen experimentellen Bedingungen
gearbeitet haben. Bislang liegt kein überzeugender Nachweis dafür vor,
dass elektromagnetische Felder (EMF) direkt gentoxisch wirken oder zu
einer Transformation kultivierter Zellen führen, weshalb eine karzinogene
Wirkung unwahrscheinlich ist.
In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse des
Reflex-Projekts als weiterer Schritt in die richtige Richtung anzusehen,
zumal sie aus einer in hohem Maße strukturierten, multizentrischen Studie
hervorgegangen sind (an der 12 europäische Forschungszentren beteiligt
waren, die sowohl extrem niederfrequente Felder (ELF) als auch
Radiofrequenzbereiche (RF) untersuchten. Der Projektzusammenfassung
zufolge haben die Reflex-Daten zu einer erheblichen Vergrößerung der
wissenschaftlichen Datenbasis zu den gentoxischen und phänotypischen
Auswirkungen sowohl der ELF-EMF als auch der RF-EMF auf Zellsysteme in
vitro beigetragen. Die Daten schließen ein Gesundheitsrisiko durch
EMF-Strahlung weder aus noch bestätigen sie dieses Risiko. Der Wert der
Studie liegt in dem neuen Datenmaterial, mit dem die Mechanismen der
EMF-Wirkungen noch besser als bisher untersucht werden können. Als
nächstes sollten diese Versuche von unabhängigen Laboratorien (mindestens
drei) wiederholt werden, so dass die Ergebnisse in überzeugender Weise
bestätigt werden, bevor Rückschlüsse gezogen oder Maßnahmen getroffen
werden können.
Angesichts dieser Sachlage und wie auch in der
Zusammenfassung der Reflex-Studie angemerkt, lassen sich angesichts der
festgestellten gentoxischen und phänotypischen Wirkungen weitere Studien
rechtfertigen. Allerdings sollten Entscheidungen und Maßnahmen erst nach
Veröffentlichung der Ergebnisse der Wiederholungsstudien getroffen werden.
In-vivo-Forschungsarbeiten, die sich mit Wirkungen befassen, die
möglicherweise mit wissenschaftlich nicht haltbaren Erkenntnissen im
Zusammenhang stehen (auch mit den Ergebnisses des Reflex-Projekts), sind
verfrüht.
Eine etwaige Unterstützung weiterer Studien durch die
Kommission bietet sich unter Themenschwerpunkt 8 des 6. Rahmenprogramms
(RP6) (wissenschaftliche Unterstützung der Politik, Bereich 2.3
Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die Gesundheit), wenngleich angesichts
des großen Mittelbedarfs in diesem Bereich die Forschungsschwerpunkte für
die endgültige Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen unter
Berücksichtigung des von anderen Kommissionsdienststellen vorgeschlagenen
Forschungsbedarfs festgelegt werden. Ferner prüft die „EMF-NET“-Koordinierungsmaßnahme,
die ebenfalls aus dem RP6 finanziert wird, die Möglichkeit, dieses Thema
in ihren Bericht über In-vitro-Studien aufzunehmen und/oder einen
gesonderten Bericht mit dem Schwerpunkt gentoxische Wirkungen zu
verfassen. Die EMF-NET-Berichte können unter
http://emf-net.isib.cnr.it
heruntergeladen werden.
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