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Dr.
André Brie am 26. Oktober 2004:
Zum Programm des Bundeskanzlers
„Sieben Chancen für den Binnenmarkt“ erklärt der PDS-Europaabgeordnete
André Brie:
Das Ziel, die
gemeinsam erarbeiteten Güter gerecht zu verteilen und die
Beschäftigungsförderung in den Mittelpunkt zu stellen, ist ebenso wichtig
wie richtig. Der von Schröder vorgeschlagene Weg führt aber in die andere
Richtung.
Wenn der Kanzler den
Erhalt des europäischen Sozialmodells fordert, hat er vielleicht
vergessen, dass er dieses gerade in Deutschland gründlich zerstört. Wenn
er eine Finanzaufsicht für den grenzüberschreitenden Bankverkehr schaffen
will, ist ihm dabei wohl entfallen, dass vor allem eine gerechte und
effiziente Unternehmensbesteuerung eingeführt werden muss. Wenn Schröder
den Energieversorgern in Europa freie Hand lassen will, weiß er vermutlich
nichts von den Preissteigerungen, die derzeit den Bürgern in der
Bundesrepublik aufgebürdet werden. Wenn er die Dienstleistungsbranche in
der EU umfassend „liberalisieren“ will, hat er wohl von den Folgen für die
öffentliche Daseinsfürsorge und dem breiten Widerstand gegen den aktuellen
Richtlinienvorschlag zur europaweiten Liberalisierung von Dienstleistungen
(Bolkestein-Richtlinie) noch nichts gehört. Und wenn der Berliner
Regierungschef eine Stärkung der europäischen Rüstungsindustrie verlangt
und damit auch die Militarisierung Europas voran treibt, ist dies nicht
nur eine potenzielle Gefährdung der internationalen Stabilität, sondern
entzieht produktiven und tatsächlich zukunftsträchtigen Bereichen die
Mittel.
Die Rezepte, die
Gerhard Schröder seinen EU-Amtskollegen verkaufen will, sind nichts
anderes als die altbekannten neoliberalen Mixturen, die Europas Krise in
der Vergangenheit verschärft statt gelöst haben. Dringend notwendig sind
dagegen eine europäische Innovationsinitiative, die Stärkung der
Massenkaufkraft und der Schutz des europäischen Sozialmodels. |