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Dr. André Brie am 26. Juni 2005:
Der
Kreistag Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) darf sich laut Entscheid des
Schweriner Innenministeriums nicht mit der “Bolkestein- (Dienstleistungs-)
Richtlinie” der EU beschäftigen. Eine entsprechende Debatte hatte die
PDS-Fraktion initiiert. Dazu erklärt der Europaabgeordnete André Brie:
Skandalöse
Entscheidung
“Innenminister Timm hat seinen Amtseid schnell vergessen. Statt Schaden
vom Land abzuwenden und sich selbst aktiv mit den gravierenden Folgen der
EU-Dienstleistungsrichtlinie für die Wirtschaft, die Landkreise und
Kommunen sowie die kommunalen Unternehmen zu befassen, wird die
Selbstbestimmung der Kreise und Kommunen per Verbot ausgehebelt. Und dies
mit Verweis auf eine Gerichtsentscheidung aus Zeiten des kalten Kriegs,
die sich mit atomwaffenfreien Zonen beschäftigt!
Vielleicht ist Herrn Timm entgangen, dass sich die “Bolkestein-Richtlinie”
nicht mit der Stationierung von Kernwaffen beschäftigt? Vielleicht ist ihm
nicht bekannt, dass die darin fixierte europaweite Dienstleistungsfreiheit
und die Aushebelung der nationalen, Landes- und kommunalen Hoheitsrechte
elementarste Auswirkungen auf Kreise und Kommunen hat? Vielleicht ist dem
Innenminister nicht bewusst, dass der Kreistag mit der Diskussion über die
Folgen dieser Richtlinie seine Verantwortung für die Entwicklung in der
Region wahrnehmen würde?
Die
skandalöse Entscheidung des Innenministers widerspricht nicht nur
jeglichem demokratischen Grundverständnis. Sie zeigt zugleich, dass die
Brisanz der “Bolkestein-Richtlinie” – die wegen des zu erwartenden Lohn-
und Sozialdumpings inzwischen selbst von der Bundesregierung kritisiert
wird – in Schwerin immer noch nicht erkannt wurde. Herr Timm wäre gut
beraten, sich vor seinen Eingriffen in die kommunale Selbstverwaltung
wenigstens sachkundig zu machen.“
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