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Fragen im
Vorfeld der Europawahl von der "Apothekerzeitung" Mai / 2009
Wofür
steht ihre Fraktion in der Gesundheitspolitik?
Unsere grundsätzlichen
Ziele sind konstant und trotz sich verändernder Bedingungen, auch trotz
der Finanz- und Wirtschaftskrise, realistisch und durch eine schrittweise
Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und ihre spätere Abschaffung
finanzierbar:
·
gleichberechtigter Zugang
zu den Gesundheitsdienstleistungen als fundamentales Grundrecht jedes
Menschen;
·
alle Menschen müssen die
gleichen Chancen auf Gesundheit haben; Grundlage dafür sind eine soziale
und solidarische Finanzierung der Gesundheitsversorgung;
·
die Gesundheit der Bevölkerung
muss eine Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge bleiben, und darf
nicht dem Kommerz geopfert werden;
zentrale Bedeutung linker Gesundheitspolitik haben Gesundheitsförderung und
Prävention.
Welche
konkreten Schwerpunkte wollen Sie in der kommenden Legislaturperiode
setzen?
·
Verhinderung einer auch
nur irgendwie gearteten Einbeziehung der Gesundheitsdienstleistungen in
den Geltungsbereich der EU-Dienstleistungsrichtlinie;
·
alle auf die
Kommerzialisierung des Gesundheitssystems hinauslaufenden Bestrebungen müssen
konsequent unterbunden werden;
·
ausgehend von der
anerkannten Tatsache, dass Armut ein Schlüsselfaktor für Krankheit (bzw.
schlechte Gesundheit) ist, muss diese Dimension in der Gesundheitspolitik
endlich berücksichtigt und ihre Ursachen zurückgedrängt werden;
Wünschen
Sie sich grundsätzlich mehr europäischen Einfluss auf die nationalen
Gesundheitssysteme? Oder finden Sie, dass den Mitgliedstaaten bereits zu
viel abgefordert wird?
Ich bin ein
entschiedener Anhänger europäischer Integration. Dafür gibt es nach wie
vor große Möglichkeiten und Erfordernisse. Aber Gesundheitspolitik muss
in der Zuständigkeit der Mitgliedsländer bleiben. Die EU kann das mit
Erfahrungs- und Informationsaustausch und Verallgemeinerung guter Praxis
begleiten. Insbesondere darf Europa nicht benutzt werden, um durch die
Hintertür eine sukzessive Privatisierung dieser Dienstleistungen
vorzunehmen und sie dem EU-Binnenmarkt zu unterwerfen.
Welche
Zukunft sehen Sie für die Apotheken in Europa? Werden sich die öffentlichen
Apotheken behaupten können? Oder glauben Sie, dass die Zukunft den Ketten
gehört?
Das hängt nicht
zuletzt von der Politik, teilweise aber auch von den Kunden ab. Wir wären
sehr gut beraten die inhabergeführte Präsenzapotheke zu bewahren. Dieses
System hat sich bewährt. Ketten und der zunehmende Versandhandel sind
kein Ersatz für sie. Kostentreiber bei Arzneimitteln sind ohnehin in
erster Linie die Pharmakonzerne. Die Öffnung für in Deutschland nicht
zugelassene Medikamente durch die kürzlich verabschiedete EU-Richtlinie
über die "Anwendung von Patientenrechten bei grenzüberschreitenden
Gesundheitsdiensten" sehe ich daher auch in diesem Zusammenhang äußerst
kritisch.
Welchen
Stellenwert messen Sie den Apotheken bei?
Die inhabergeführte
Präsenzapotheke garantiert eine patientennahe und sichere
Arzneimittelversorgung der Patientinnen und Patienten. Besonders für ältere
Menschen und jeden, der persönliche Beratung braucht und will, ist die
Apotheke vor Ort unerlässlich.
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