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Interview "Neues
Deutschland" 31.08.2008
Hat der
EU-Sondergipfel eher symbolischen Charakter oder ist tatsächlich mit
greifbaren Ergebnissen zu rechnen?
A.: Er hat sicher
nicht nur symbolischen Charakter, allerdings sind auch greifbare
Ergebnisse unwahrscheinlich. Das Problem ist, dass die EU unter dem Druck
von Staaten steht, die eine antirussische und prinzipienlos
pro-amerikanische Politik verfolgen und bereit sind, eine Konfrontation
mit Russland einzugehen.
Wie könnte diese
Konfrontation, oder der Druck, den einige EU-Politiker auf Moskau ausüben
wollen, aussehen?
A.: Es gibt die
Ankündigung, dass man über Sanktionen nachdenken will - was ich für
abenteuerlich halte. Ich denke, dass es nicht dazu kommen wird. Auf jeden
Fall wird die EU das Niveau ihrer Beziehungen zu Moskau senken, die
gegenwärtigen Assoziations- und Partnerschaftsverhandlungen über die
strategischen Beziehungen zu Russland könnten zumindest faktisch auf Eis
gelegt werden.
Eine direkte
Konfrontation mit Russland wird jedoch gescheut - wegen der Energiefrage?
A.: Ich halte eine
Konfrontation für absolut unverantwortlich. Das hat allerdings weniger mit
der Energiefrage zu tun, denn Russland ist ein verlässlicher Partner und
wird nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Die Unverantwortlichkeit besteht
einerseits darin, dass die EU die US-Politik der Einkreisung Chinas und
Russlands mitträgt und versucht, insbesondere Russland zu schwächen und zu
isolieren. Andererseits wird die georgische Position einseitig
unterstützt, obwohl in diesem Fall Georgien eindeutig der Aggressor war.
Kann die EU aus dem
Kurs der Unterstützung der USA überhaupt noch ausbrechen?
A.: Das ist möglich
und wäre dringend notwendig. Denn diese Politik der USA, die auf
konfrontative und militärische Mittel setzt, widerspricht zutiefst den
Interessen der EU und ihrer Mitgliedstaaten.
Aus Südeuropa
klingen die Töne gegenüber Moskau allerdings sehr moderat. Spricht die EU
mit einer Stimme?
A.: Die EU spricht
eindeutig nicht mit einer Stimme. Auch wenn es Formelkompromisse zwischen
den Staaten geben wird, sind die Differenzen sehr groß. Ich gehe davon
aus, dass die Bundesrepublik trotz der harten Worte von Frau Merkel und
Herrn Steinmeier eher zu den Staaten gehören wird, die bestrebt sind, den
Gesprächsfaden zu Russland nicht abreißen zu lassen.
Könnte sich Berlin
mit einer solchen Haltung in der EU durchsetzen und möglicherweise als
Moderator in den russisch-europäischen Beziehungen auftreten?
A.: Das wäre die
Aufgabe, die die Bundesregierung hat, die sie aber derzeit offensichtlich
nicht wahrnimmt. Ich erhoffe mir von den deutsch-russischen Konsultationen
Anfang Oktober eine positive und konstruktivere Position.
Moskau verweist auf
die auch von der EU forcierte Abtrennung Kososvos. Ist das unberechtigt?
A.: Der Verweis ist
absolut berechtigt. Jeder, der die Entwicklung um Kosovo realistisch
analysiert hat, wusste, das dies ein Präzedenzfall ist. Und keineswegs,
wie in der EU immer behauptet wird, eine Einzelentscheidung, die nicht
vergleichbar wäre.
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