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André
Brie, 28. Mai 2008, Antworten auf die Fragen von Lisa Schof, Jugendpresse
Baden-Württemberg, Magazin NOIR
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Welche Erwartungen
haben Sie hinsichtlich der französischen EU-Ratspräsidentschaft? Welche
Chancen bringt sie mit sich?
Meine Erwartungen an die
französische Präsidentschaft sind nicht hoch. Das Prestigeprojekt
Sakorzy's, die Mittelmeerunion, ist bereits weitgehend versandet. Und das
ist gut so, denn sie stellt keine positive Alternative zu dem ebenfalls
wenig ertragreichen Barcelonaprozess dar. Dennoch wird die Präsidentschaft
weiter viel Zeit und Kraft darauf verwenden. Wesentlich bedeutsamer ist
eine andere, tatsächlich wichtige erklärte Priorität der französischen
Präsidentschaft: das "Energie- und Klima-Paket der EU". Nach allem was
derzeit aus den Mitgliedstaaten, der Kommission und auch aus dem
Europäischen Parlament zu hören ist, wird es jedoch weit hinter den noch
vor einem Jahr verkündeten Zielen und erstrecht hinter den
klimapolitischen Erfordernissen und Möglichkeiten zurückbleiben.
Frankreich wird auch kaum den notwendigen Druck aufbauen, um diese
Situation noch positiv zu ändern.
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Wie beurteilen Sie die
von der französischen Regierung deklarierten Ziele für diese
Ratspräsidentschaft?
Die französische
Regierung hat politisch bedeutsame Schwerpunkte gesetzt. Neben den
erwähnten ja auch Migrationspolitik, europäische Sicherheit und
Verteidigung und die Gemeinsame Agrarpolitik. Die inhaltliche
Ausgestaltung geht aus meiner Sicht aber in die falsche Richtung. Der von
Frankreich angestrebte Europäische Einwanderungs- und Asyl-Pakt wäre
dringend erforderlich, da es auf diesem Gebiet endlich eine echte
gemeinsame Politik geben muss. Doch die französische Absicht (und ähnliche
Positionen in anderen Mitgliedstaaten) laufen in der Praxis auf einen
Anti-Einwanderungs- und Anti-Asyl-Pakt, auf Abschottung der EU oder
bestenfalls auf eine Einwanderungspolitik hinaus, deren Kriterium
ausschließlich europäische Wirtschaftsinteressen sind. Der Ausbau der
militärischen Fähigkeiten der EU, mit denen Frankreich seine
Wiedereingliederung in die NATO abstützen möchte, ist ebenfalls keine
konstruktive antwort auf die zunehmenden Krisengefahren in der Welt und
ihre komplexen politischen, sozialen, wirtschaftlichen, öklogischen und
kulturellen Ursachen.
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Für wie wichtig halten
Sie die deutsch-französischen Beziehungen in Bezug auf die Zukunft
Europas? Hat sich deren Bedeutung in den letzten Jahren oder auch
Monaten (mit dem Amtsantritt von Sarkozy) verändert oder könnte sie es
zukünftig tun?
Die
deutsch-französischen Beziehungen behalten eine große Bedeutung für die
weitere europäische Integration, allerdings sind sie bei weitem nicht mehr
deren Motor und können es seit einigen Jahren auch nicht mehr sein. Unter
Sarkozy ist ihre Rolle zusätzlich zurückgegangen, da Frankreich eine
Politik der gewissen Renationalisierung bevorzugt, das es mit einer
stärkeren Orientierung an den USA und Großbritannien abstützt. Ob sich das
wieder ändert, ist offen.
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Wer/was könnte ihrer
Meinung nach einen „neuen Motor für das Europa von morgen“ darstellen?
Einen Motor für das
Europa von morgen wird ist in alter Weise, wie eben durch die Achse
Deutschland-Frankreich, nicht mehr geben. Die Erkenntnis, dass es eine
weitere europäische Integration nur geben kann, wenn das Wettbewerbseuropa
von heute durch die Entwicklung einer Europäischen Sozialunion ersetzt
wird, könnte der europäischen Einigung jedoch einen neuen, sehr starken
Impuls und die Wiedergewinnung der Unterstützung durch die Bürgerinnen und
Bürger verschaffen. |
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