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MdEP André Brie (GUE/NGL)
zum EU-Russland-Gipfel:
Partnerschaft ist mehr als Energiesicherheit
Unmittelbar vor dem
am Donnerstag beginnenden EU-Russland-Gipfel hat der Europaabgeordnete
André Brie (GUE/NGL) vor einer Verengung der Gespräche auf das Thema
Energiesicherheit gewarnt. "So wichtig verbindliche Festlegungen für die
Lieferungen von Öl und Gas sind - das Potenzial der europäisch-russischen
Beziehungen ist weit größer", betonte der Parlamentarier, der zugleich
Mitglied im Lenkungsausschuss des deutsch-russischen Petersburger Dialogs
ist, der die Verständigung zwischen den Zivilgesellschaften beider Länder
fördern soll. Die ultimative Forderung des EU-Verhandlungsführer Eneko
Landaburu nach "schriftlichen Zusagen" für die Lieferung von
Energieträgern bezeichnete Brie als kontraproduktiv: "Mit solch einem
konfrontativen Vorgehen wird Moskau von vornherein in die Ecke eines
vertragsbrüchigen 'Partners' gestellt. An stabilen Lieferbeziehungen haben
aber nicht nur die EU-Staaten, sondern ebenso die russischen Unternehmen
und die Regierung Medwedew Interesse." Die EU bezieht gegenwärtig etwa 44
Prozent ihres Erdgases und 27 Prozent ihres Erdöls aus Russland.
Der Abgeordnete rief
dazu auf, ebenso wie die Sorge der EU-Staaten um eine stabile
Energieversorgung auch die Moskauer Bedenken hinsichtlich der zunehmenden
Militarisierung der EU und der Ausdehnung der NATO bis an die russischen
Grenzen auf dem Treffen in Chanty-Mansijsk ernst zu nehmen. Insbesondere
zur geplanten US-Raketenabwehr in Osteuropa müssten die EU-Staaten
deutlich Stellung beziehen. "Zwar haben die Europäer auf dem USA-EU-Gipfel
zu Monatsbeginn eine von Washington geforderte Unterstützung der Pläne im
Abschlusskommuniqué verweigert, eine klare Ablehnung ist aber bislang
nicht erfolgt."
Moskaus Position zur
Kenntnis zu nehmen, heiße aber keinesfalls, Konfliktpunkte nicht
anzusprechen, erklärte Brie in Brüssel. Das Vorgehen Moskaus in Konflikten
im Kaukasus sowie der Schutz von Demokratie und Grundrechten müssten auf
den Verhandlungstisch. Zugleich solle die EU jedoch auch gegenüber den
baltischen Staaten auf Schutz und Gleichberechtigung der russischen
Minderheiten drängen.
Brie sprach sich für
zügige Verhandlungen über ein neues Partnerschaftsabkommen aus. "Die
bisherige Politik der EU gegenüber Russland hat vor allem belegt, dass im
Westen noch immer nicht klar ist, wie man mit dem früheren Gegner und
heutigen Partner im Osten umgehen soll. Das neue Abkommen muss eine
tragfähige und tatsächlich strategische Grundlage für eine
gleichberechtigte und gegenseitig nützliche Zusammenarbeit auf allen
Ebenen und in allen Bereichen, von der Wirtschafts- bis zur
Sicherheitspolitik schaffen."
25.06.2008 |