ANDRÉ BRIE    
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André Brie, am 13. März 2007, Antwort auf einen Fragebogen der SDA (Security & Defense Agency)

 

1. Welches sind die Erfolge, auf die sich die ESVP beziehen kann, und gibt es weiter bestehende Mängel?

 

Insbesondere während der letzten paar Jahre hat die Europäische Union versucht, eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu formulieren und diese mittels der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik in der Realität umzusetzen. In diesem Bemühen scheint die EU von der Annahme auszugehen, dass Sicherheit für die EU und Frieden auf der Welt ohne militärische Mittel weder garantiert noch erreicht werden können. Die Strategie der EU ist eher kurzfristig angelegt und beruht auf oft sogar äußerst widersprüchlichen Interessen. Die ESVP zielt nicht darauf ab, die Wurzeln der augenblicklichen Sicherheitsprobleme auf der Welt zu beheben; im Gegenteil – oft ist es sogar wahrscheinlich, dass sie dazu beiträgt.

 

2. Ist die EU-Politik zu Verteidigungs- und Sicherheitsfragen ein ausreichend „poröser“ Prozess, mit genug Eingaben von Nichtregierungsquellen?

 

Die EU hat eine Verantwortung, zur Lösung gewaltsamer Konflikte beizutragen, vom Krieg zerrissenen Gesellschaften beizustehen, und sie ist in einer guten Position, wirksame Krisenverhütung und Fähigkeiten zu ihrer Bewältigung auszuarbeiten. Die größte Schwachstelle der verschiedenen EU-Anstrengungen auf diesem Gebiet scheint heute der Mangel an Koordination zwischen den verschiedenen (EU)- Institutionen zu sein UND die mangelnde Fähigkeit, sich mit anderen Akteuren auf diesem Gebiet kurzzuschließen, insbesondere den NROs. Dies wird im Aktionsplan für zivile Aspekte der ESVP (die der Europäische Rat im Juni 2004 angenommen hat) bereits zugegeben: …Informationsaustausch mit VertreterInnen von NROs und der Zivilgesellschaft sollte regelmäßig stattfinden. Die Erfahrung der NROs, ihre Gutachten und Fähigkeit zur Frühwarnung bei Konflikten werden von der EU geschätzt.

 

3. Wie könnte eine umfassendere und kohärentere EU Verteidigungs- und Sicherheitspolitik aussehen? Was wäre Ihre Wunschliste für neue Stimmen in der ESVP-Debatte?

 

Gegenwärtig wird die Verantwortung zur Leitung des EU Krisenmanagements und der Konfliktverhütung unter den Mitgliedsländern, dem Rat und der Kommission geteilt. Die ESVP (einschließlich aller ihrer militärischen Aspekte) ist zwischenstaatlich; viele Aspekte des zivilen Krisenmanagements und der Konfliktverhütung fallen in die Kompetenz der Gemeinschaft; das Europäische Parlament ist für die Aufsicht und die Haushaltskontrolle zuständig. Also muss die Transparenz der ESVP verbessert werden; die Zuständigkeiten und Mittel des europäischen und der nationalen Parlamente müssen erweitert werden, die Beteiligung von Nichtregierungsakteuren muss vergrößert werden und öffentlicher Zugang zu ESVP- Dokumenten muss von Fall zu Fall garantiert (beschlossen) werden.

 

4. Ist die Verteidigungs- und Sicherheitsdebatte auf EU-Ebene wie gegenwärtig strukturiert in der Lage, die strittigeren strategischen, Haushalts- und industriepolitischen Fragen anzugehen?

 

Es ist Tatsache, dass in der augenblicklichen EU-Außenpolitik die Sicherheits-, Verteidigungs- und Rüstungselemente Vorrang vor den zivilen Elementen genießen und mit der schrittweisen Aufgabe ihrer Rolle als Zivilmacht durch die EU einhergehen. Die EU sollte sich stattdessen auf ihre Stärken wie wirtschaftliche Integration, Diplomatie, zivile Krisenverhütung und Konfliktbewältigung konzentrieren. Die andauernde Konzentration auf vorwiegend militärische Maßnahmen frisst die Mittel, die der EU für die zivile Konfliktbewältigung dienlich sein könnten. Schon in der Vergangenheit sind Ressourcen von der EDF abgeknapst worden, um militärische („friedensstiftende“) Maßnahmen zu finanzieren, und diese Mittel fehlen nun, um eine nachhaltige und langfristige Entwicklungspolitik zu verfolgen. Das gleiche gilt für beträchtliche Finanzmittel im Rahmen des 7. Forschungsprogramms, die in Sicherheitsforschungsbereiche gehen.

 

5. Würden Sie sagen, dass die europäische Debatte über Verteidigungs- und Sicherheitsfragen überhaupt vom französischen Denken beeinflusst ist, und sind die Vordenker anderer europäischer Länder weniger einflussreich oder eher mehr? Wenn sie mehr Einfluss haben, die Denker welchen Landes, würden Sie sagen, wären die besten, um die europäische Debatte zu beeinflussen? Warum?                

 

Die Initiative, die EU in eine Europäische Sicherheits- und Verteidigungsunion zu verwandeln, wurde gemeinsam während eines französisch-deutschen Gipfeltreffens im Juli 2002 in Schwerin entwickelt. Im Januar 2003 haben Deutschland und Frankreich diese Initiative dem Europäischen Konvent vorgelegt und haben so die Debatte (im Konvent) zur Zukunft Europas beträchtlich beeinflusst. Während des Französisch-Deutschen-Britischen Gipfels in Berlin im September 2003 haben die zwei Partner es geschafft, Großbritannien an Bord zu bekommen und diese drei Länder scheinen

 
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