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Zu der heute im Europäischen Parlament
angenommenen Resolution zum US-Internierungslager Guantanamo erklärt André
Brie, außenpolitischer Sprecher der Fraktion
der Vereinten Europäischen Linken:
Konsens gegen Bruch des Völkerrechts
Mit überwältigender Mehrheit haben die
Abgeordneten des Europäischen Parlaments demonstriert, dass Verletzungen
des Völker- und Menschenrechts, wie sie tagtäglich im US-Gefangenenlager
Guantanamo geschehen, nicht ignoriert werden. Angesichts des ungeklärten
"Suizids" von drei Häftlingen am vergangenen Wochenende erhält die
Entscheidung des Parlaments besondere Brisanz.
Die Resolution ist gleich in mehrfacher
Hinsicht von immenser Bedeutung: Erstens ist der Rechtsbruch
fraktionsübergreifend, ungeachtet politischer Differenzen in anderen
Fragen, klar und mit größter Mehrheit verurteilt worden. Zweitens ist
diese Verurteilung verknüpft mit der Forderung nach Schließung des Lagers
und nach rechtsstaatlicher Behandlung der Inhaftierten sowie mit der
deutlichen Ablehnung aller Arten von Folter und Mißhandlung. Drittens wird
die Verantwortung für die Mißachtung internationaler Abkommen und Verträge
klar der Regierung in Washington zugewiesen. Viertens fordert das
Parlament, das Thema Guantanamo auch beim bevorstehenden USA-EU-Gipfel zur
Sprache zu bringen und die US-Administration nachdrücklich zur Einhaltung
internationalen Rechts aufzurufen.
Die fortgesetzte Menschenrechtsverletzung
in Guantanamo ist nur durch die sofortige Auflösung des Lagers und die
rechtstaatliche Behandlung der Häftlinge zu beenden. Mit der vagen
Erklärung des US-Präsidenten, das Camp schließen zu wollen, dürfen sich
weder Rat und Kommission, noch die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten
zufrieden geben.
13.06.2006 |