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Europapolitiker spricht sich für breiten Dialog zur
Gestaltung Europas aus. Voraussetzungen für Erweiterung müssen
gleichermaßen bei EU und Beitrittskandidaten geschaffen werden
Vorschläge Jacques Delors wieder aufgreifen
Eine EU-Politik, die existenzsichernde Arbeitsplätze
und ein modernes, tragfähiges Sozialsystem schafft sowie einen
wirkungsvollen Beitrag zu Frieden, Sicherheit und Demokratie in Europa und
in der Welt leistet, kann nach Auffassung des Europaabgeordneten André
Brie (Linkspartei) nur im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, in
demokratischer und öffentlicher Diskussion und mit starken
parlamentarischen Rechten erreicht werden. Das erklärte der Politiker am
Montag Abend auf einem Treffen des Europäischen Parlaments und der
nationalen Parlamente zur Zukunft Europas. "Der freie Markt in Europa und
der freie Standortwettbewerb der Mitgliedsländer gegeneinander werden nur
das Gegenteil erreichen", so Brie. In diesem Zusammenhang sprach er sich
u. a. dafür aus, die früheren Vorschläge Jacques Delors über Elemente
einer europäischen Wirtschaftsregierung und einer europäischen Sozialunion
wieder aufzugreifen.
Vor dem Hintergrund der Parlamentsdebatte um den
Beitrittstermin Bulgariens und Rumäniens zur EU befürwortete der
Parlamentarier die Fortsetzung der Erweiterungspolitik: "Ich halte weitere
Beitritte für richtig, wenn die betreffenden Völker dies wünschen und die
demokratischen, menschenrechtlichen und anderen Anforderungen erfüllt
sind. Auf dem westlichen Balkan kann das ein entscheidender Beitrag zur
Konfliktlösung sein; für die Türkei beispielsweise ist die EU-Perspektive
- zumindest eine Zeit lang - ein ausschlaggebendes Motiv für lange
überfällige Demokratisierungsbemühungen gewesen." Zugleich betonte Brie,
eine "Erweiterung, die die Fähigkeit zur vertieften Integration" gefährde,
sei "nicht akzeptabel". Dies dürfe allerdings "kein Argument für die
Ablehnung, für die Diskriminierung beitrittswilliger und beitrittsfähiger
Staaten" werden. Die EU müsse ihrerseits die Erweiterungsvoraussetzungen
herstellen, wobei einer europäischen Verfassung ausschlaggebende Bedeutung
zukomme.
Brüssel, 09. Mai 2006 |
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