06.06.2006: SCHRIFTLICHE ANFRAGE
von André Brie (GUE/NGL) an die Kommission Betrifft:
Finanzierung des ESRP (EU Security Research Programme) außerhalb
parlamentarischer Kontrolle?
und Antwort von Herrn Verheugen im Namen der Kommission
(E-2637/06DE) vom 02.08.2006
Die Sicherheitsforschung ist ein wesentlicher
Bestandteil des siebten Rahmenprogramms der Kommission im Bereich der
Forschung und der technologischen Entwicklung (7. RP). Damit ist sie
völlig transparent und unterliegt der Mitentscheidung des Parlaments.
Die Entwicklung der Sicherheitsforschung auf europäischer Ebene und
die transparente Vorgehensweise werden nachfolgend erläutert.
Ausgelöst durch die Frage, ob die EU eine
gemeinsame Sicherheitsforschung brauche, wurde im Jahr 2004 eine
Gruppe von Persönlichkeiten („Group of Personalities“) eingerichtet.
Sie bestand aus 27 Mitgliedern aus einem Querschnitt von Kreisen des
öffentlichen Lebens, einschließlich vier Mitgliedern des Parlaments,
und befasste sich mit Forschungskriterien, um die „Ziele der
Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ der EU zu
verwirklichen. In dieser Hinsicht war es absolut notwendig,
Wirtschaftstreibende - auch solche, die in der Rüstungsindustrie tätig
sind – miteinzubinden. Ausgehend von ihrem unverbindlichen Dokument
über die Zukunftsperspektive)
veröffentlichte die Kommission eine Mitteilung mit dem Titel
„Sicherheitsforschung: Die nächsten Schritte”),
welche sich ausschließlich mit der Forschung über zivile Sicherheit
befasst. Die Mitteilung stieß auf breite Zustimmung, einschließlich
der des Parlaments (Entschließung vom 23. Juni 2005).
Der Bericht der Gruppe von Persönlichkeiten
empfahl u. A. die Bildung eines Europäischen Beirats für
Sicherheitsforschung, der zur Festlegung der strategischen Linien für
die europäische Sicherheitsforschung beitragen und beratende Funktion
bezüglich der Prinzipien und Mechanismen für ihre Durchführung im
Rahmen des 7. RP haben soll. Der Europäische Beirat für
Sicherheitsforschung (ESRAB) wurde im April 2005 gegründet und führte
Nachfrager sowie Forschungsunternehmen und Technologieanbieter in
einem 50‑köpfigen Ausschuss hochrangiger Spezialisten und Strategen
mit Fachkenntnis auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung zusammen,
darunter Behörden, Wirtschaftstreibende, Forschungsinstitute und aus
Spezialisten bestehende „Think Tanks“. Ferner gehören ihm fünf
Mitglieder des Parlaments an, die aktiv an der Arbeit des Ausschusses
mitwirken.
Für das 7. RP legte die Kommission im April 2005
ihren Vorschlag vor),
aus dem der Aspekt der Sicherheitsforschung, wenn auch zusammengefasst
unter einem Punkt mit der Weltraumforschung, klar hervorgeht und
erläutert wird. Sowohl diese Mitteilung als auch die nachfolgende
Veröffentlichung des spezifischen Programms
machten klar, dass sich die Forschungen auf die zivile Sicherheit
konzentrieren, und beschrieb den weiten Erfassungsbereich der Aufgabe,
die den Schutz vor Terrorismus und organisiertem Verbrechen wie auch
den Grenzschutz, Krisenmanagement und den Schutz wichtiger
Infrastrukturen zum Inhalt hat. Die technische Entwicklung wird durch
die Forschung in den Politik-, Sozial- und Geisteswissenschaften
unterstützt werden, z. B. durch Aspekte wie Bürger und Sicherheit, das
Verstehen von Organisationsstrukturen und der Kultur öffentlicher
Nutzer, Zukunftsszenarien und Sicherheit als ein sich veränderndes
Konzept, Sicherheitswirtschaft sowie Ethik und Recht.
Trotz der Empfehlung der GoP, für die
Sicherheitsforschung ein Jahresbudget von 1 Milliarde Euro
einzurichten, sah der Vorschlag der Kommission nur 570 Millionen Euro
insgesamt für Sicherheit und Weltraumforschung vor.
Das Europäische Programm für Sicherheitsforschung
(EPSF) wird einen wesentlichen Bestandteil des neunten Themas des
Programms „Zusammenarbeit“ des 7. RP darstellen. Das bedeutet, dass
die finanziellen Mittel für das EPSF ausschließlich aus dem Haushalt
des neunten Themas des 7. RP stammen werden.
Die Gemeinsame Forschungsstelle (GFS) bietet
auftraggeberorientierte wissenschaftlich-technische Unterstützung für
die Gestaltung der EU-Politik - sowohl durch ihre Hilfe bei der
Durchführung und Überwachung bestehender politischer Maßnahmen als
auch durch ihr Reagieren auf neue politische Erfordernisse. Auf dem
Gebiet der inneren Sicherheit wird die GFS die EU-Politik in den
Bereichen Recht, Freiheit und Sicherheit sowie Zollwesen unterstützen.
Auf dem Gebiet der globalen Sicherheit wird die GFS die
Entscheidungsfindungsprozesse im Kontext der Instrumente der
Außenbeziehungen unterstützen (Entwicklungszusammenarbeit, Handel und
Krisenbewältigungsinstrumente).
Diese Sicherheitsmaßnahmen werden vom GFS mittels
Direktmaßnahmen unter dem 7. RP durchgeführt.
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06.06.2006: SCHRIFTLICHE ANFRAGE
von André Brie (GUE/NGL) an die Kommission
Betrifft:
Finanzierung des ESRP (EU Security Research Programme) außerhalb
parlamentarischer Kontrolle ?
Meine Anfrage steht in
engem Zusammenhang mit der Tatsache, dass die US-Regierung seit dem
11. September 2001 unter dem Aufhänger "Heimatschutz" öffentliche
Gelder in Höhe von ca. 1 Mrd. US $ pro Jahr an Rüstungsfirmen
weiterleitet und damit die Entwicklung von Kontroll- und
Überwachungs-technologien, Satellitenspionage, "weniger-tödlicher
Waffen", paramilitärischer Ausrüstungsgegenstände, usw. unterstützt.
Europäische Konzerne des militärisch-industriellen Komplexes mochten
da nicht zurück-stehen und installierten im Jahre 2003 zusammen mit
Größen aus der Informations- und Telekom-munikationsindustrie ein
"EU-Beratungsgremium" mit dem unscheinbaren Namen "Group of
Personalities" (GoP), wobei acht der 25 Mitgliedseinrichtungen
einen direkten militärischen Hintergrund haben.
Durch die GoP wurde dann die Einrichtung des ESRP
initiiert, welches lt. offizieller Forderung mit einem Budget von
jährlich einer Milliarde Euro ausgerüstet sein soll.
Ich frage die Kommission wieso:
·
insbesondere die GoP ohne große Debatten im EU-Rat oder
im EU-Parlament eingerichtet worden ist?
·
sie den Vertretern der Rüstungsindustrie ohne jegliche
Diskussion einen offiziellen Beratungsstatus eingeräumt hat?
Das 7. Forschungsrahmenprogramm (FRP) sieht 570
Mill. Euro für "Sicherheits- und Weltraumforschung" vor, doch da das
ESRP außerhalb des normalen EU-Budgets finanziert werden soll stellt
sich die Frage, woher diese Gelder kommen werden ?! Das 7. FRP sieht
auch 1,8 Milliarden Euro für das Joint Research Centre (JRC) der
Kommission vor, bei dem einer der vier Schwerpunkte auf der Bekämpfung
von Terrorismus und organisierter Kriminalität liegt.
Ich frage daher die EU
Kommission, woher genau die Gelder für das ESRP kommen sollen bzw.
werden ?
Weiterhin frage ich
die Kommission:
·
wieso oben erwähnte Firmen des militärisch-industriellen
Komplexes nicht nur Einfluß auf das
Forschungsprogramm der EU haben sondern damit indirekt auch auf die
Sicherheitspolitik der EU ?
wieso pro Jahr
ca. 1 Mrd. € in diese Forschung gesteckt wird ohne den geringsten
Beleg dafür, dass mit diesen Technologien die eigentlichen Ursachen
des Terrorismus beseitigt werden ?