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Europaabgeordneter Dr. André Brie ruft zu
Zurückhaltung beider Seiten auf / Konstruktive Rolle der EU gefordert
Westen trägt Mitschuld an Gewalteskalation in
Nahost
Die westliche Staatengemeinschaft trägt nach Ansicht
des Europaabgeordneten André Brie (Linkspartei) eine klare
Mitverantwortung für die jüngste Gewalteskalation in den palästinensischen
Autonomiegebieten. „Der Abzug der britischen und US-amerikanischen
Bewacher hat den israelischen Sturm auf das Gefängnis mit ermöglicht und
damit wesentlich zum Ausbruch der Unruhen beigetragen“, erklärte der
Parlamentarier am Mittwoch in Straßburg. Washington und London müssten
sich fragen lassen, weshalb ihre Vertreter, die in einer zugespitzten
Situation durchaus zur Deeskalation hätten beitragen können, gerade zu
diesem Zeitpunkt zurückgerufen wurden. „Offensichtlich haben die USA und
Großbritannien den israelischen Angriff bewußt unterstützt.“
Brie rief sowohl die palästinensische als auch die
israelische Seite zur Zurückhaltung auf. „Die Attacken auf Ausländer und
ausländische Einrichtung in den Autonomiegebieten können ebenso wie die
Militäraktionen Israels einen Flächenbrand in der gesamten nahöstlichen
Region auslösen.“ Der Abgeordnete forderte, die politischen Realitäten in
Palästina und Israel zu akzeptieren und Probleme auf dem Verhandlungsweg
zu lösen. „Dabei ist auch die EU als Vermittlerin gefordert, die ihr
diplomatisches Potenzial weder in direkten Kontakten noch im
Nahost-Quartett ausreichend einbringt.“
Als kontraproduktiv bezeichnete Brie in diesem
Zusammenhang die in der EU neu aufgeflammte Diskussion über eine Kürzung
der Finanzhilfe für die Autonomiebehörde. Die Finanzmittel seien ein
wichtiges Instrument zur Stabilisierung in den palästinensischen Gebieten.
„Sie müssen jedoch zur Umsetzung eines tragfähigen Konzepts für dauerhafte
Entspannung genutzt werden. Und zu einem solchen Konzept hat Europa
bislang kaum beigetragen. Insbesondere ist die EU aufgefordert, endlich
auch die unverantwortlichen Aktionen des israelischen Militärs in den
besetzten Gebieten eindeutig zu verurteilen.“
Straßburg/Schwerin, 15. März 2006
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