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Zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs
(EuGH), wonach das Abkommen zur Übermittlung von Flugpassagierdaten an
US-Behörden wegen fehlender Rechtsgrundlage gekündigt werden muss, erklärt
der außenpolitische Sprecher der Vereinten
Europäischen Linken im Europaparlament, André Brie:
Abmahnung für Rechtsbruch
"Die Entscheidung des Europäischen
Gerichtshofs ist eine nachträgliche Ohrfeige für die Europäische
Kommission unter Romano Prodi und die Regierungen der EU-Staaten, die
trotz eines zweimaligen gegenteiligen Votums des Europäischen Parlaments
im Mai 2004 das Abkommen mit den USA geschlossen haben. Der EuGH hat die
Position der Abgeordneten bestätigt: Für den Transfer einer Vielzahl
persönlicher Daten von Flugpassagieren an die USA gibt es keine rechtliche
Grundlage. Das Urteil ist um so bedeutsamer, als erst jüngst bekannt
wurde, dass diese Daten von den US-Behörden vertragswidrig weitergegeben
werden.
Mit dem Spruch des Gerichts bekommt nun
zugleich die Missachtung der europäischen Volksvertretung eine
juristische Dimension. Der Gerichtshof hat mit seinem Urteil sowohl die
Rechte der Europaabgeordneten bekräftigt als auch die Bürgerrechte
gestärkt. Damit ist die Weitergabe beispielsweise von finanziellen Daten
wie Nummern und Ablaufdatum von Kreditkarten ebenso rechtswidrig wie von
speziellen Menü-Wünschen, was auf die Religionszugehörigkeit schließen
lassen könnte.
Schadenfreude ist angesichts des
EuGH-Beschlusses allerdings nicht angebracht. Es muss vielmehr darum
gehen, durch Schutz und Ausbau der Demokratie in Europa und die Stärkung
des Europaparlaments Verletzungen grundlegenden Rechte, gerade auch im
Kampf gegen den internationalen Terrorismus, von vornherein zu
verhindern."
30.05.2006 |